Filmkritik:
Als das Meer verschwand
(In my Father's Den) Neuseeland/GB 2004 R: Brad McGann D: Matthew Macfadyen, Emily Barclay, Colin Moy, Jodie Rimmer, Miranda Otto, Jimmy Keen, Toby Alexander 128 Min. Filmwebsite
Der Kriegsberichterstatter Paul Prior kehrt zur Beerdigung seines Vaters in seinen Heimatort in der Provinz zurück und übernimmt dort eine Stelle als Lehrer. Er freundet er sich mit der 16jährigen Celia an. Als die spurlos verschwindet, fällt der Verdacht auf Paul.
"Auf den ersten Blick ist Als das Meer verschwand 'nur' ein solider Thriller, doch über weite Strecken verheimlicht dies der Neuseeländer Brad McGann in seinem ebenso bildgewaltigen wie erzählerisch mutigen Langfilmdebüt auf sehr geschickte Art und Weise", lobt Jörg Gerle (Filmdienst): "Es sind kleine Details, die das Interesse des Zuschauers wecken und das Mysterium der Geschichte am Leben halten. (...) Als das Meer verschwand lebt von vagen Andeutungen, falschen Fährten, der Zurückgenommenheit der durchweg brillanten Darsteller und vor allem von der Kunstfertigkeit des Regisseurs, der auch das vertrackte Drehbuch verfasste. Mit traumwandlerischer Sicherheit verschränkt McGann die Erzählebenen". Seit Lantana des Australiers Ray Lawrence "sah man keine vergleichbar anspruchsvolle Genreunterhaltung mehr in hiesigen Kinos", so Gerle.
Auch Silvia Hallensleben (epd Film) hat der Film gefallen. Sie schreibt: "Brad McGann inszeniert seine Adaption des Romans von Maurice Gee (1972) als atmosphärisch dichte und ökonomisch erzählte Filmnovelle mit Rückblenden, die von Kameramann Stuart Dryburgh ( Das Piano, Bridget Jones) in gedämpften Tönen für die Breitleinwand fotografiert wurde. Fast zu schön sieht das manchmal aus. Doch der Film entwickelt sich schnell von einem anfangs manchmal gefährlich sentimental anmutenden Nostalgietrip zu einem spannenden moralischen Thriller."
Andreas Resch (taz) sieht den Film in der Tradition Hitchcocks: "Beeindruckend ist die Präzision, mit der Regisseur und Drehbuchautor Brad McGann in seinem Spielfilmdebüt diese komplizierte Story visuell umgesetzt hat. (...) Trotz der komplexen Struktur wirkt der Film niemals konstruiert. Denn die Verdoppelungen und Verfremdungen sind nie ästhetischer Selbstzweck, sondern folgen - ganz im Hitchcock'schen Sinne - stets narrativen Notwendigkeiten."
Christina Tilmann (Tagesspiegel) vertritt eine abweichende Meinung. Nach der Nacherzählung der Handlung schreibt sie: "All das hätte, getragen von den großartigen Schauspielern Matthew Macfadyen und Emily Barclay, faszinierend sein können – hätte Regisseur Brad McGann sich bei seinem Debüt entschließen können, die Dinge etwas mehr in der Schwebe zu lassen. Doch so steuert der Film, durch manche Rück- und Vorblenden verkompliziert, immer penetranter auf die Auflösung zu, die man ohnehin längst vermutet."
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