Filmkritik:
Little Miss Sunshine
USA 2006 R: Jonathan Dayton, Valerie Faris D: Greg Kinnear, Toni Collette, Steve Carell, Paul Dano, Abigail Breslin, Alan Arkin, Jill Talley, Justin Shilton, Paula Newsome, Wallace Langham 99 Min. Filmwebsite
Die schrulligen Hoovers, Vater Richard, Mutter Sheryl, Tochter Olive, Sohn Dwayne, Onkel Frank und Großvater Edwin, sind im klapprigen VW-Bus unterwegs von New Mexico nach Kalifornien, weil die siebenjährige Olive am Schönheitswettbewerb um den Titel der "Little Miss Sunshine" teilnehmen möchte. Pannen und Tiefschläge bleiben auf dieser Reise nicht aus.
"Ein überzeugenderes Hohelied auf die Familie als dieses freche, subversive Road Movie ist schon lange nicht mehr gesungen worden", jubelt Felicitas Kleiner (Filmdienst): "Ohne Slapstick-Eskapaden oder peinliche Gags lebt der Film ganz von seinem vorzüglichen Drehbuch, das Charaktere wie Situationen liebevoll auf- und ausbaut, und einem hervorragenden Darstellerensemble, das die Figuren bei aller Komik nie der Lächerlichkeit oder albernen Klischees preisgibt." Little Miss Sunshine sei "die wohl schönste und lustigste Komödie des Jahres".
Die NZZ schreibt: "Das Spielfilmdébut des Musikvideo-Teams und Ehepaars Jonathan Dayton und Valerie Faris ist ein süffiges Familien-Roadmovie geworden, in dem sich liebevolle Figurenzeichnung mit einer unzimperlichen Kritik am amerikanischen Lebensstil verflicht". Die Moral dieser "bissigen, heiteren und durchaus realistischen Satire auf den American Way of Life" sei es, "dass es in Zeiten eines übersteigerten Neoliberalismus und seines grotesken Zwangs zum Erfolg letztlich auszeichnungswürdig ist, wenn man als glücklicher, aber humaner Loser durch die Welt stolpert."
" Little Miss Sunshine heißt der Erfolgsfilm des diesjährigen Sundance-Festivals, in dem die Werbefilmer Valerie Faris und Jonathan Dayton den Traum von der glücklichen Familie auf ebenso schonungslose wie witzige Weise zertrümmern", meint Jenny Hoch (Spiegel Online). Auch wenn der Film nicht umhin komme, "trotz aller Gags und liebevoller Details das reichlich konventionelle Hohelied auf die Werte der Familie anzustimmen, ist es doch erfrischend zu sehen, mit wie viel Verve die Regisseure bei der Ausgestaltung der Charaktere ihres Debütfilms zu Werke gingen". Es lohne sich "allein der Schlusssequenz wegen, Little Miss Sunshine anzugucken. Denn hier schlägt der Film noch einmal einige sehr vergnügliche Haken".
Paul Ingendaay von der FAZ empfiehlt, sich durch den "dämlichen Trailer" nicht abschrecken zu lassen. Er suggeriere "Klamauk um einen alten VW-Bus, Road-Movie und amerikanische Familienkomödie. Und obwohl Little Miss Sunshine von all dem in genau dosierten Mengen etwas hat, ist das andere viel wichtiger: die leichthändige Bearbeitung eines Themas, über das schon soziologische Bibliotheken geschrieben wurden. Hochtrabend müßte es heißen: 'Die Ideologie des Erfolgs in Amerika'." Jonathan Dayton und Valerie Faris sei "ein rares Kunststück gelungen: ihr Werk leicht zu halten und ihm dennoch Tiefgang zu geben".
Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau erkennt in diesem Film wie auch in Borat eine "neue Tendenz, humanistische Werte in der Verpackung schriller Grotesken zu verkaufen". Der Kritiker weist auf eine bestimmte Quelle für den Film hin: Michael Arndts "klug gebautem Drehbuch" sei es gelungen, Figuren, die einem Robert-Crumb-Comic entstammen könnten, eine einnehmende Glaubwürdigkeit zu verleihen. Eine eigene Schule der amerikanischen Filmsatire speist sich mittlerweile aus dem Geist dieser alternativen Comic-Kultur. Wie weit dieser Geist inzwischen im allgemeinen Bewusstsein des breiten Publikums angekommen sein muss, davon konnten sich die Produzenten an der Kasse überzeugen: Die nur acht Millionen teure Produktion spielte allein in den USA bereits das Zehnfache ein."
"Geht’s dir schlecht? Fühlst dich hässlich und ungeliebt? Nach diesem Film nicht mehr", verspricht uns Christina Tilmann vom Tagesspiegel: " Little Miss Sunshine, das schrille, hinreißend sarkastische Spielfilmdebüt von Jonathan Dayton und Valerie Faris, war Publikumsliebling in diesem Jahr beim Sundance Festival. Nicht nur, weil er die alte Botschaft 'Eine Familie muss zusammenhalten' noch einmal neu und sehr berührend vorbringt. Nein, er lässt seinen Chaoten ihre Eigenheiten, lässt den Zuschauer über sie lachen und stellt sie doch nie bloß. Und wird sich, im Berliner Winter, auch bei uns zum Hit entwickeln."
Bei Cristina Nord von der taz finden sich erstmals kritische Töne. Sie ist der Ansicht, die Reise der Familie folge "in weiten Teilen der Logik des Feelgood-Movies: Die Pointen sind frech, aber nicht ätzend, die weiten Landschaften des US-amerikanischen Südwestens bilden eine schön anzuschauende Kulisse, und der Nonkonformismus der Familie Hoover reicht genau so weit, dass noch jedem Konformisten warm ums Herz wird." Aber auch dem notorisch nonkonformistischen taz-Leser hat der Film etwas zu bieten, denn: "Zu großer Form läuft Little Miss Sunshine auf, als die Familie das Ziel ihrer Reise erreicht." Mit dem Auftritt Olives beim Schönheitswettbewerb gelinge dem Film "jene glückliche Form der Kritik, die affirmativ überbietet, was es bloßzustellen gilt. (...) Für die Dauer dieser ambiguen Szene ist Little Miss Sunshine kühn genug, die Begrenzungen des Feelgood-Movies zu überschreiten."
"Wüsste man es nach all den hymnischen Filmkritiken zum Festival-Liebling Little Miss Sunshine nicht besser, würde man auch noch die nächsten Sequenzen eher für ein depressives dänisches Sozialdrama halten als für den Beginn einer geradezu beängstigend brillanten US-Komödie der guten alten Schule." Mit diesen Worten stimmt Cosima Lutz (Welt) in das allgemeine und überschwängliche Lob des Films ein.
Auch Frank Arnold (epd Film) zeigt sich beeindruckt: "Die Präzision und gleichzeitig Lässigkeit des filmischen Verfahrens, das hier praktiziert wird, macht die Qualität von Little Miss Sunshine aus – das Handwerk, das das Regieduo Jonathan Dayton und Valerie Faris bei Videoclips und Werbespots erlernt hat, nützt es in seinem Spielfilmdebüt für eine lakonische Erzählweise, die auf visuelle Exaltiertheiten verzichtet und stattdessen das Beste aus den Darstellern herausholt. Dadurch werden die Figuren höchst glaubwürdig, und man sieht ihnen über die Dauer des Films mit wachsendem Interesse zu."
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