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Aktualisiert am 27.04.2005
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Filmkritik:

Sideways

Sideways

USA 2004 R: Alexander Payne D: Paul Giamatti, Thomas Haden Church, Virginia Madsen, Sandra Oh, Marylouise Burke, Jessica Hecht, Missy Doty Filmwebsite
Die beiden gegensätzlichen alten Collegefreunde Miles und Jack verbringen gemeinsam die letzte Woche vor Jacks Hochzeit im kalifornischen Weinland. Jack will noch mal richtig einen drauf machen, während Miles auf Sinnsuche ist. Sehr zufrieden erklärt Blickpunkt:Film Regisseur Alexander Payne zum "Meister der poetischen Human Comedy": Als "Chronist von Freud und Leid des kleinen Mannes" zeige er "sein außerordentliches Gespür für intelligenten Humor" und offenbare "die Schwächen seiner von Paul Giamatti und Thomas Haden Church hinreißend porträtierten männlichen Hauptfiguren, ohne diese jemals schwach oder gar unsympathisch erscheinen zu lassen".
Sebastian Handke von der Welt am Sonntag ist auch begeistert und sieht in Sideways einen der großen Oscar-Favoriten des Jahres: "Das Abseitige und das Unsympathische so darzustellen, daß man darin den Menschen erkennt, ohne die Komödie in eine Farce abgleiten zu lassen, ist eine der größten und schönsten Herausforderungen des Kinos. In dieser seltenen Kunst ist Alexander Payne ein wahrer Meister. Sideways ist sein Meisterwerk."
Franz Everschor vom Filmdienst mochte den Film ebenfalls: " Sideways ist ein unglaublich komischer Film, gleichzeitig aber auch einer der menschlichsten, die seit langen Jahren in Hollywood entstanden sind. Es ist einer jener seltenen Filme, bei denen man sich an der munteren Oberfläche nicht satt sehen (und hören) kann, dessen Verführungskraft aber unweigerlich hineinzieht in die Komplexität von Figuren, denen man zu Anfang kaum zutraut, dass sie einen zwei Stunden lang interessieren könnten. Wie bei der Verkostung eines unbekannten Weins, der seinen Charakter erst nach und nach preisgibt."
Sehr positiv überrascht und dann richtiggehend hingerissen ist Jan Schulz-Ojala vom Tagesspiegel. Aus dem immergleichen Einerlei der Hollywoodproduktionen, oder wie Schulz-Ojala sich ausdrückt, aus "dieser lärmenden Gedankenödnis" und der "bloß noch abschöpfungswärts planierten Weltleitkulturwüste" komme nun dieser kleine Film daher und entsorge "anstrengungslos ganze Äquatorlängen von Zelluloidmüll ins gnädige Vergessen". Sideways sei "ein Film, der europäische Grübellust mit amerikanischer Leichtigkeit verbindet, einer, der witzig ist und melancholisch, komisch und ernst, forsch und wunderbar langsam, einer, der eine Allerweltsgeschichte erzählt und in dieser Geschichte eine ganze Welt. Sagen wir's so: Wer in Sideways nicht auch mal Tränen lacht, der hat noch nie geweint. Oder: Wem bei diesem Zweistunden-Genuss nicht zwei-, dreimal die Augen feucht werden, der hat sich noch nie gefreut." Nicht ganz so leidenschaftlich, jedoch trotzdem positiv klingt Sascha Westphals Besprechung in der Welt: "In Alexander Paynes Election und About Schmidt, seinen vorherigen Filmen, schwang immer ein leicht spöttischer und manchmal sogar herablassender Unterton mit. Nicht so hier. Payne begleitet seine Figuren, ohne ihre Schwächen ein einziges Mal zu kommentieren. Sie sind nicht perfekt, aber wer ist das schon. Und das schönste daran ist, daß Hollywood diesen Typen fünf Oscar-Nominierungen zuteil werden ließ."
Daniel Kothenschulte schreibt in der Frankfurter Rundschau, Alexander Payne sei mit dieser "bittersüßen Komödie" das Unmögliche gelungen es allen recht zu machen: " Sideways, dieser lakonisch von einem monochrom-grünen Plakat beworbene Film ist - wohlgemerkt ohne jede Herablassung - dieser eine Konsensfilm. Mit seinen lichtdurchfluteten kalifornischen Landschaften und seinem semi-dokumentarischen Blick für die Realität existierender Weinkneipen führt er in jeder Szene zusammen, was seine Helden nie wohlsortiert auf die Reihe bekommen - Intellektualität und Sinnlichkeit."
David Kleingers vom Spiegel stimmt in die Lobeshymnen ein und hebt besonders die schauspielerische Leistung hervor: "Bei aller Schärfe im satirischen Detail zeichnet Sideways mit Nachsicht die Freundschaft zwischen den ratlosen Sinnsuchern, und diesen Liebeskredit zahlen die Darsteller mit ihrer Leistung doppelt und dreifach zurück. Angesichts der uneitlen Selbstverständlichkeit ihres Spiels muss jede der zahlreichen Auszeichnungen und Nominierungen für Paul Giamatti, Thomas Haden Church, Virginia Madsen und Alexander Paynes Ehefrau Sandra Oh als unbestreitbar verdient gelten."
"Dies ist der Film, auf den sich alle Kritiker einigen können", stellt Michael Althen von der FAZ fest. Die Reaktionen seien so enthusiastisch gewesen, dass man sich "schon wie ein Spielverderber vorkommt, wenn man in Sideways einfach nur einen kleinen, feinen Film sieht". Dessen Witz liege darin, dass Payne sich nicht "auf Kosten seiner Figuren amüsiert", sondern ihrem Treiben mit "jener Sympathie folgt, mit der er uns schon in About Schmidt Jack Nicholson näherbrachte". Seine Helden "berühren einen mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde".
Harald Fricke von der taz kann die allgemeine Begeisterung nicht teilen. Seiner Meinung nach reicht das Grundgerüst nicht aus, um darauf "ein komödienhaftes Buddy-Movie" aufzubauen. Auch seien die "Vorschusslorbeeren" die man Payne, der nach seinen Filmen Citizen Ruth und Election "als Gegenmodell zur Filmmaschine Hollywood" gilt, da er auf große Budgets verzichtet und lieber Charakterstudien dreht, nicht "wirklich gerechtfertigt". In Sideways mache er es sich "mit dieser vorgeblich humanistischen Sicht auf den Durchschnittsmann (…) viel zu leicht. Hier handelt jeder nur innerhalb seines beschränkten Rahmens, als Abziehbildchen eines konformen Lebenswandels, in der Hoffnung auf ein Abenteuer, das nur funktioniert, weil die Hemmschwellen so niedrig sind."
Einen "richtigen Wechselbalg von einer Komödie" habe Payne sich da ausgedacht, meint Marli Feldvoss von der NZZ, ein "ewiges Hin und Her von Situationskomik und Slapstick", das glücklicherweise "zu feinmaschig" gewebt sei, um den "gezielt eingesetzten Ausrutschern, jede Menge Klischees und Kalauer, wirklich auf den Leim zu gehen".

Der Tagesspiegel veröffentlicht ein Interview mit dem Regisseur Alexander Payne, und auch der Spiegel hat mit ihm gesprochen.

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Infos zu diesem Titel
• Sprache: Deutsch
• PAL
• Laufzeit: 122 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 23. Juni 2005
• Produktion: 2004

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