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Aktualisiert am 06.11.2009

Filmkritik:

Der Informant

Der Informant

USA 2009 R: Steven Soderbergh D: Matt Damon, Scott Bakula, Joel McHale, Mike O'Malley, Andrew Daly, Melanie Lynskey, Frank Welker 108 Min. Filmwebsite
Was denkt sich Mark Whitacre nur dabei? Bei einem großen Agrarkonzern hatte er eine glänzende Karriere vor sich - jetzt verrät er plötzlich seinen Arbeitgeber ans FBI: Weil es um multinationale illegale Preisabsprachen geht, sieht er sich als aufrechten Einzelkämpfer, der am Ende mit einer Beförderung belohnt wird. Doch zunächst braucht das FBI handfeste Beweise ...

Sabine Horst von der Zeit meint, in dieser Satire, die "trügerisch harmlos und sogar ein bisschen albern daherkommt", gebe es "keinen Standpunkt mehr, von dem aus sich das Handeln der Wirtschaftssubjekte, der Global Player, noch vernünftig kritisieren ließe". Matt Damon, als Schauspieler "selbst ein Typ ohne ausgeprägte Eigenschaften", spiele den Titelhelden in einer "tollen Tour de Force als Karrieristen, dem das Gefühl für alles abhandengekommen ist, was sich nicht in Zahlen, als Gewinn verbuchen lässt und dessen Stärke darin liegt, dass ihm seine Störung nicht bewusst ist".

Holger Römers vom Filmdienst hat einen "ebenso merkwürdigen wie faszinierenden Film" gesehen, der "eigensinnig und konsequent" die Konventionen "eines Thrillers – mehr noch: jedes Genres – unterläuft".

Michael Althen von der FAZ kann Steven Soderbergh "kaum etwas übelnehmen", denn er sei "einer der wenigen, wenn nicht der einzige Regisseur in Hollywood, der sich von seinem Status nicht beeindrucken lässt". Es gebe "kaum ein Genre, das ihn nicht interessiert, aber im Unterschied zu Kubrick, der jedesmal das letzte Wort dazu sprechen wollte, genügt es Soderbergh völlig, es bei der Fingerübung zu belassen. So dass man am Ende gar nicht immer weiß, welchem Genre die Filme tatsächlich zuzurechnen sind". Der Informant! sei eine "Komödie, die genauso gut als Wirtschafts-Spionage-Thriller funktionieren könnte, und das Problem ist im Grunde, dass sich die beiden Genres im Weg stehen - aber auf sehr entspannte Art".

"Nur wenige Hollywood-Regisseure haben es verstanden, ihren Skeptizismus ähnlich erfolgreich in die - von einem ideologischen Standpunkt aus betrachtet - so affirmativen Formen des Mainstreamkinos zu überführen", stellt Andreas Busche von der taz fest.

Michael Kohler von der Frankfurter Rundschau bemängelt, dass bei Soderbergh das Tragische "weitgehend zugunsten von Stil und teils billigen Lachern" auf der Strecke bleibe. Nicht nur Lügen haben kurze Beine, "sondern auch Soderberghs auf die Oberfläche bedachter Komödienstil".

Alexandra Stäheli von der NZZ meint, The Informant! müsse "bedauerlicherweise eher der Kategorie der Enttäuschungen" in Soderbeghs Werk zugerechnet werden. Das Geschehen bleibe dem Zuschauer "so gleichgültig ist wie das Wetter auf dem Mond", denn die Hauptfigur, "schwammig in ihren körperlichen und seelischen Konturen, vermag uns nie für ihre Perspektive einzunehmen".

Christian Buß von Spiegel Online hat einen "sonderbaren Abgesang auf den Kapitalismus" gesehen; statt einer "Börsengötterdämmerung in Pechschwarz" habe Soderbergh eine "Wirtschaftsklamotte in Pastellfarben gedreht". Soderbergh wie Tarantino "überspannen die Regeln des Erzählkinos, ihre Filme testen immer wieder dessen Belastbarkeit aus". In Der Informant! interessiert sich der Regisseur "weder für die persönliche Tragik von Whitacres Niedergang noch für das Klima, das diesen begünstigte", die Protagonisten "bleiben größtenteils Karikaturen", und das habe "etwas Schäbiges, weil relativ früh klar wird, dass die Persönlichkeitsstörung Whitacres klinische Ursachen hat".

Weitere Kritiken in der Welt, in der Süddeutschen Zeitung und im Tagesspiegel.

Die Süddeutsche Zeitung hat mit Steven Soderbergh gesprochen.

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