Filmkritik:
Ein Quantum Trost
(Quantum of Solace) GB/USA 2008 R: Marc Forster D: Daniel Craig, Olga Kurylenko, Mathieu Amalric, Gemma Arterton, Jeffrey Wright, Giancarlo Giannini, Judi Dench, Anatole Taubman 103 Min. Filmwebsite
Fest entschlossen, die Wahrheit aufzudecken, verhören Bond und M Mr. White , der enthüllt, dass die Organisation, die Vesper erpresst hat, viel komplexer und gefährlicher ist als zunächst angenommen. Die schöne Camille bringt Bond zu Dominic Greene, einem rücksichtslosen Geschäftsmann und der treibenden Kraft innerhalb der mysteriösen Organisation. Auf einer Mission, die ihn nach Österreich, Italien und Südamerika führt, findet Bond heraus, dass Greene ein Komplott schmiedet und versucht, die totale Kontrolle über eine der wichtigsten natürlichen Ressourcen der Welt zu gewinnen. Inmitten eines Minenfeldes aus Betrug, Mord und Täuschung, verbündet sich Bond mit alten Freunden, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Andreas Borcholte von Spiegel Online schreibt: "Die vielleicht größte Innovation von "Ein Quantum Trost" ist der Serien-Charakter des Films. Wilson und Broccoli haben ganz offenbar verinnerlicht, dass die größten Neuerungen filmischer Erzählkunst zurzeit nicht im Kino passieren, sondern im Fernsehen." Ein Quantum Trost habe eine "ganz schön dünne Story", aber einen überzeugenden Hauptdarsteller.
Für Bernd Graff von der Süddeutschen Zeitung trägt das neue Bond-Abenteuer nicht nur den "bescheuertsten eingedeutschten Titel aller Zeiten", sondern ist auch die "synthetischste Bond-Edition" und gleichzeitig der "geerdetste Bond, den es je gab". Tja, so steht's da!
Jan Schulz-Ojala vom Tagesspiegel meint, James Bond werde mit diesem Film den "postmodernen Batmans und Bournes, die ihre schizoiden und anderweitigen Traumata stets brachial zu kurieren trachten", immer ähnlicher, und zwar "zum eigenen Schaden". Die "Demontage tradierter Bond-Essentials" werde weiter vorangetrieben: "Keine Scherzchen, keine Technikmätzchen, kein 'Geschüttelt oder gerührt?'-Ritual, keine 'Bond, James Bond'-Vorstellungsrunde, nun also auch: kein Sex".
Susanne Ostwald von der NZZ schreibt, Quantum of Solace sei über weite Strecken "viel kunstvoller als seine Vorläufer", und Forster erweise sich darin als "Meister der eleganten Epik". Seinem "feinen Bildverstand" seien "so grandiose Sequenzen wie die Verfolgungsjagd im Bregenzer Schauspielhaus" zu verdanken. Allerdings fehle es dem Drehbuch von Paul Haggis "eindeutig an zupackendem Biss".
"Man kann lange darüber streiten, welche Bond-Darstellung bisher die beste war: Selbstverliebt aber waren sie alle. Und weil sich 007 nun selber nicht mehr mag, können wir uns am ganzen 'Bond' auch nicht so recht freuen", meint Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau. Nur ganz selten "geschieht etwas Lässig-Bravouröses, etwas, das Beifall verdient". Ein Bond "ohne seine Bond-Identität" sei nur "ein Actionfilm wie jeder andere".
Felicitas Kleiner vom Filmdienst meint, jenseits einiger nachdenklichen Akzente sei der Film "pures Bewegungskino"; das "menschliche Drama des Agenten, mit dem der Vorgängerfilm dem Franchise ein neues, eindrucksvolles Gesicht gab", komme kürzer, "diffundiert von der Oberfläche mehr zwischen die Zeilen".
Harald Peters von der Welt findet es schwierig, der verwickelten Handlung zu folgen: "Entweder macht Ein Quantum Trost in keinerlei Hinsicht Sinn, oder der Film thematisiert in besonders sinnfälliger Weise, dass die Welt, in der wir leben, derart komplex geworden ist, dass niemand mehr einen Sinnzusammenhang erkennt". Ansonsten biete der Film "alle Grundzutaten, die zu einem typischen Bond gehören". Mark Forster habe alles als Hetzjagd inszeniert - "eine spektakuläre Actionsequenz folgt auf die andere".
Für Barbara Schweizerhof von der taz ist das "Schockierende" an Ein Quantum Trost die "absolute Armut an Dialogen": "Statt Wortwechsel gibt es fast nur noch Blickwechsel". Wären da nicht die spektakulären Actionszenen, "fast könnte man von einem Spar- und Krisen-Bond reden". Aber die Richtung der "Bonderneuerung" nötige auch Respekt ab, "denn sie scheint sich entgegen den Erwartungen nicht an dem auszurichten, was man üblicherweise für den Geschmack der wichtigsten Zielgruppe, der 14- bis 29-Jährigen, hält".
"The party is over", stellt Fritz Göttler von der Süddeutschen Zeitung klar. Mit Daniel Craig als neuem Bond sei das "Prinzip 'Auge um Auge' ins Agentengenre zurückgekehrt". Zur Mischung, die er in Casino Royale "so erfolgreich präsentierte", sei "keine neue Zutat dazugekommen, im Gegenteil, die Momente von Erotik und Sex sind noch weiter zurückgeschraubt, und jene Eleganz, die Roger Moores Markenzeichen war".
Axel Minge vom Freitag schreibt über Daniel Craig: "Ansonsten ist er humorlos bis hin zur Physiognomik, die ihn vormals höchstens zum Adlatus eines Bösewichts qualifiziert hätte. Seine Auftritte als James Bond sind die Reduktion der Filme auf die Kampfmaschine, die in ihm steckt".
Die Welt hat den Regisseur Marc Forster interviewt, die NZZ auch. Spiegel Online hat sich mit den Produzenten des Films unterhalten, die Welt und die Süddeutsche Zeitung haben mit dem Hauptdarsteller Daniel Craig gesprochen.
Die NZZ porträtiert das aktuelle "Bond-Girl" Olga Kurylenko. Die Titanic wundert sich über den deutschen Filmtitel. Die FAZ sagt uns, was die Kleidung der Bond-Darsteller "über ihren Charakter und ihre Zeit verrät". Der Tagesspiegel schrieb: "Die Bond-Girls sind für 007 inzwischen mehr als nur Trophäen. Im neuen Film fällt sogar der Sex aus."
Agenturberichte in der Frankfurter Rundschau und bei Spiegel Online informieren über die Weltpremiere des Films in London. Der Tagesspiegel berichtet von der Deutschlandpremiere des Bond-Films in Berlin. Laut Tagesspiegel zeigten sich die Kritiker nach einer Pressevorführung in Berlin durchaus "angetan" vom neuen Bond-Film.
Die NZZ bespricht zwei Bücher zum Thema 007: erstens "James Bond und die Schweiz"und zweitens "Geschüttelt, nicht gerührt – James Bond und die Physik".
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