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Aktualisiert am 24.11.2009

Filmkritik:

Die Anwälte - Eine deutsche Geschichte

Die Anwälte - Eine deutsche Geschichte

D 2009 R: Birgit Schulz D: (Mitwirkende) Otto Schily, Hans-Christian Ströbele, Horst Mahler 92 Min. Filmwebsite
Der Film verfolgt die Biografien von drei Männern, die einer Generation angehören und die sich in derselben bundesdeutschen Wirklichkeit entwickelt haben - Otto Schily, Hans-Christian Ströbele und Horst Mahler. Regisseurin Birgit Schulz untersucht, was diese Männer geprägt hat, was sie in Bezug auf ihre politischen Ideale verbunden hat, und an welchen Punkten sie drei unterschiedliche Wege eingeschlagen haben, um am Ende Gegner zu werden.

Für ch Kriest vom Filmdienst ist Mahlers "Vita und sein Habitus das spannendste Moment dieses Films"; nach Die Anwälte tue man "jedenfalls gut daran, noch einmal die Mahler-Episode in Deutschland im Herbst anzuschauen, noch mal einen Blick in den Band mit den Gesprächen zu werfen, die Mahler mit Gerhart Baum führte und das „Vanity Fair“-Gespräch zwischen Michel Friedman und Mahler zu googlen".

Christina Tilmann vom Tagesspiegel stellt fest, der Film sei auch ein "großes Politdrama, das von Rasterfahndung über Anti-AKW-Demonstrationen, vom Einzug der Grünen in den Bundestag bis hin zu NPD-Verbotsverfahren, Kosovo-Einsatz und Anti-Terror-Gesetzen die politische Geschichte der Bundesrepublik rekapituliert". Der wichtigste Effekt bestehe darin, "dass man das Kino mit mehr Fragen verlässt, als man es betreten hat".

In der FAZ rät der der Strafverteidiger Ferdinand von Schirach: 2Sehen Sie sich den Film an, wenn Sie Zeit haben. Die Interviews sind es wirklich wert. Ich fand ihn interessanter als den Baader-Meinhof-Komplex. Einiges hätte man vielleicht anders erzählen können, weniger wäre oft besser gewesen, man hätte genauer fragen können".

Christian Buß von Spiegel Online hat einen "ziemlich schwachen Film" gesehen; er wundert sich, warum Horst Mahler so viel Platz eingeräumt werde - "mit einem Holocaustleugner diskutiert man nun mal nicht".

Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau hat "einer der besten deutschen Kinofilme des Jahres 2009" gsehen, der sogar ein "aufregend visueller Film" sei, "wenn auch auf eine zurückhaltende Art". Zu den "merkwürdig divergierenden Idealen" der drei Porträtierten gehörten auch "unterschiedliche Männlichkeitsideale; ihnen nachzuspüren, "das ist das eigentliche Faszinosum bei diesem willkommenen Nachzügler zur Filmwelle über den bundesdeutschen Terrorismus".

Ganz anders stellt sich das für Rainer Gansera von der Süddeutschen Zeitung dar: "Die Kölner Dokumentaristin Birgit Schulz hat einen Film über die Karrieren der drei gemacht - und den tollen Stoff leider zu einer fleißig recherchierten, aber doch arg enttäuschenden Abfolge von Anekdoten, zeitgeschichtlichen Bilderbögen und selbstgefälligen Statements verdünnt". Die Interviews erweckten den Eindruck, "als seien sie für die Promi-Hobbythek gemacht". Birgit Schulz hätte "ihre eigene Stimme und Haltung, ihr Erkenntnisinteresse sichtbar machen müssen", stattdessen vermeide sie "alles, was die Selbstinterpretation der Befragten hinterfragen könnte".

"Das Erstaunlichste an diesem Film ist, dass es ihn gibt", meint Stefan Reineke von der taz. Das allein sei schon ein Verdienst der Regisseurin Birgit Schulz. Ästhetisch sei der Film "nichts Besonderes", die Regisseurin komme ihren Figuren nicht nahe, aber das sei "kein Wunder, es sind Anwälte, Selbstdarstellung, Verschwiegenheit und Kontrollsucht gehen eine schwierige Melange ein". Trotzdem ist die Die Anwälte laut Herrn Reineke eine "Fundgrube".

Thomas Schmid von der Welt schreibt: "Trotz bester Absichten der Regisseurin, die meist die dezente Montage bevorzugt, hat die dokumentarische Flut der Bilder doch etwas Überwältigendes. Schon mit Worten kann man Schlüssigkeiten suggerieren, die es vielleicht gar nicht gibt. Mit Bildern erst recht. Auch im Dokumentarfilm steckt ein antiaufklärerisches Potenzial".

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