Filmkritik:
Egoshooter
D 2004 R: Christian Becker, Oliver Schwabe D: Tom Schilling, Max Timm, Camilla Renschke, Lilia Lehner, Lennie Burmester, Nomena Struß, Simon Sean Hoffmann, Ben Nijmeijer, Nikki Sudden Filmwebsite
Portät eines Heranwachsenden, gezeigt als Mischung aus Videotagebuch und Spielfilm: Der 19-jährige Jakob filmt mit seiner Videokamera seinen Alltag.
Statt auf konventionelle und lineare Erzählweise setzen die Regisseure bei ihrem Kinodebüt auf die "atmosphärischen Momentaufnahmen der Kamera", stellt Blickpunkt:Film fest; die "Light-Version eines Larry-Clark-Films" zeichne das "Porträt einer Generation, die nichts mit sich anzufangen weiß, die keine Ideale mehr besitzt und in depressiver Passivität versinkt". Authentisch wirkten die technische Umsetzung und die Darsteller, die mit "wenigen Ausnahmen mit Laien, die sich teils selbst spielen, besetzt wurden". Fazit: "Ungewöhnlich und unbequem, aktuell und andersartig".
Für Alexandra Wach vom Filmdienst zeigt Egoshooter in "rauen, unbeholfenen Videotagebuchbildern richtungslose Gewalt und eine emotionale Verwahrlosung, die nur noch mit Gruppenritualen, Drogen und aufgesetzter Coolness zu kompensieren sind". Der melancholische Tonfall des Films verdanke sich dem Drehbuch das "auf billige Eskalation verzichtet". Trotz intensiver Momente und trotz eines "mehr als überzeugenden Hauptdarstellers" hinterlasse er ein "flaues Gefühl", weil er "sich zu sehr auf die Kraft des Dokumentarischen verlässt" und keinen eigenen, "noch nicht verbrauchten Zugang zum jugendlichen Weltschmerz" findet.
Alles, was Schilling, der Jakobs Kamera selbst geführt habe, filme, konfrontiere uns "mit unserem eigenen Voyeurismus", schreibt Sascha Westphal von der Frankfurter Rundschau. Die "Selbstverständlichkeit", mit der ein "orientierungsloser 19-Jähriger" in das Leben anderer eindringe, falle "auf uns zurück". Wie er seien wir "die Kinder von Marshall McLuhan und MTV" und lebten in einer Welt, deren "Realität von Fernsehbildern" okkupiert sei. Es gäbe "keine Geschichte und keine Entwicklung" in Egoshooter, kaum etwas unterscheide die "subjektive Kamera von dem Blick der beiden Regisseure auf ihren Protagonisten".
Hanns-Georg Rodek ( Die Welt) resümiert: Der Film sei "im wesentlichen eine Ein-Mann-Show", ähnlich Hannelore Elsners Mein letzter Film, aber der 22jährige habe es "noch schwerer", weil er "im Vakuum" operieren müsse, "beraubt fast jeglicher Emotion und Aktion". Das jedoch tue er mit "phänomenaler Präsenz": Tom Schilling mache "das Nichts greifbar".
Tom Schilling filme die "blöde Welt". Tom Schilling filme "sich selbst, den auch irgendwie Blöden". Nur dass er hier Jakob heiße. In einem "kunstvoll erfundenen Videotagebuch", das "kunstlos krudes Videotagebuch" spiele. Handlung gäbe es keine. Es gehe "nur so durch die Tage". "Und Träume. Total anstrengend. Total entspannend. Nichts muss passieren. Passiert schon was, immer wieder", schreibt Jan Schulz-Ojala im Tagesspiegel.
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