Die Filmstarts vom 16. September 2004
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Aktualisiert am 20.10.2005
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Filmkritik:

Der Untergang

Der Untergang

D 2004 R: Oliver Hirschbiegel D: Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara, Corinna Harfouch, Ulrich Noethen, Juliane Köhler, Heino Ferch, Christian Berkel Filmwebsite
Der Film über das Ende des Naziregimes, dessen Führungsriege sich in den Tagen vom 20. April bis zum 2. Mai 1945 im Führerbunker verschanzte.
Blickpunkt:Film spricht von einem "gelungenen Experiment", das "erstmals ein bedeutendes Kapitel deutscher Geschichte auch mit deutscher Crew und Sensibilität erzählt. Unverdächtig, Mitleid für Monstren zu entwickeln", entlarve der Film "mit glänzendem Ensemble Regime, Ideologien und Mechanismen".
Michael Kohler vom Filmdienst ist unzufrieden mit dem Ergebnis: "Über das Bestreben hinaus, einen 'bedeutenden' Stoff auf dem Boden des historisch Verbürgten publikumswirksam umzusetzen", stecke "keine Idee in diesem Unternehmen. Der Untergang ist Produzentenkino der schlechteren Art: Es fehlen Handschrift und dramaturgische Stringenz, weil der Film alles auf einmal sein soll: psychologisches Kammerspiel und Tanz auf dem Vulkan, eine Studie in Klaustrophobie und eine blutige Erkundung des Häuserkriegs, historische Lektion und Erzählung aus der Hintertreppenperspektive, Ende und Neuanfang zugleich. Gerade wenn sich der Blickwinkel weitet und Eichinger versucht, Hitlers Untergang mit dem selbstverschuldeten Drama des deutschen Volkes zu verknüpfen, bleibt er im besten Fall den Klischees des Kriegsfilms treu - nicht selten umarmt er dabei den bloßen Kitsch. Themen und Motive, um einen roten Faden durchs Labyrinth zu legen, hätte es genug gegeben. Doch Eichinger mag auf nichts verzichten und macht alles nur ein bisschen, statt eines richtig."
Stefan Reinicke meint in der taz, Der Untergang sei eigentlich ein Remake des Films Der letzte Akt von G. W. Pabst von 1955. Er bediene "das hartnäckige Interesse an Hitler privat. Bruno Ganz zeigt den netten Chef, das brüllende Monster, den kläglichen Greis, den Realitätsblinden, der Armeen befehligt, die es nicht mehr gibt, den Tyrannen, der noch die Letzten mit in den Tod reißen will. Das evoziert ein bisschen Grusel und ein bisschen Mitleid." Indem Eichinger und Hirschbiegel zeigen wollen, "wie es denn eigentlich gewesen ist", sind sie "irgendwie auf der sicheren Seite - und verfehlen, dass dieser Untergang auch eine geheime Wunscherfüllung der Nazis war. Bilder für die Vermischung von Selbstzerstörung, Todesfaszination und Ratio wären riskant gewesen. Es gibt sie nicht."
Auch Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau ist wenig angetan: "Das amerikanische Kino hat mit Filmen wie Henry - Portrait of a Serial Killer eine nuancierte Herangehensweise entwickelt, von der sich abschauen lässt, wie sich moralisch verwerfliche Figuren auch ohne den Effekt des Mitleids zu Protagonisten erheben lassen können. Für solche Feinheiten nehmen sich jedoch weder Eichinger noch Hirschbiegel Zeit, dafür sind sie viel zu sehr beschäftigt, den äußeren Rahmen ihrer 14-Millionen-Euro-Produktion zu füllen - das Rekonstruktionskino eben. Was sie hingegen hinzu erfinden, um einen populären Spielfilm daraus zu machen, kommt über Banalitäten nicht hinaus. (...) In der stärksten Szene von Hirschbiegels und Eichingers Film sieht man sechs unschuldige Menschen sterben, es sind die Goebbelskinder. Eine weitere Perspektive, oder gar, wie von Eichinger erhofft, eine spezifisch deutsche Aufarbeitung der NS-Zeit, entwirft er nicht. Die Bilder, die er zeigt, fallen in die Dunkelheit zurück, aus der sie gekommen sind."
Tobias Kniebe von der Süddeutsche Zeitung meint, das Argument, dass alles genauso war, wie es im Film dargestellt wird, möge zwar stimmen, es zähle aber nicht, denn der "Anspruch des Kinos ist es seit jeher, seine eigene Ökonomie des Erzählens zu finden: Die Masse der Fakten zu betrachten und dann eine Auswahl zu treffen, eine Haltung zu offenbaren, eine erzählerische Intelligenz, einen Standpunkt." Der Untergang jedoch erzähle "mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner und dem größten möglichen Effekt".
In der taz schreibt Diedrich Diederichsen, der Film sehe so aus, als hätte man ihn "vor allem um drei Schauspieler herum gedreht, die sich in einem zeitgeschichtlichen Großstück ein Denkmal bauen sollen. Eingebettet in ein Ensemble aus Edel-TV-Chargen und umdonnert von Kriegsfilm-Außenaufnahmen in sauberen und oft gesehenen Hollywood-State-of-the-Art-Bildern. Die Soundregie vervollständigt den Hybriden aus einem Überwältigungsdrama, wie es sich für große Untergänge ziemt, und der intimen Intensität der kleinen Lage, in der die Sekretärinnenperspektive dominiert."
Dieser Untergang traue sich "einiges, aber er riskiert nicht wirklich etwas, vor allem keine Fiktionalisierung des Monsters" meint Hanns-Georg Rodek von der Welt.
Georg Seeßlen schreibt in der Zeit, es gehe in Der Untergang "weder um Abstraktion noch um Analyse, weder um doppelte Codierungen noch um psychologische Brechungen, sondern um distanzloses Dabeisein". Hier werde "der Hitler für die Kinder von CNN, Big Brother und Political Correctness kreiert. (...) Es ist ein Hitler, dessen Bild vollständig zusammengesetzt ist, das Remake des Remakes des Remakes, immer perfekter und immer leerer. Es lässt keine Frage offen, weil es gar keine mehr stellt."
Martin Meyer von der NZZ hat in den über hundertfünfzig Minuten "unendlich viel Pathos" gesehen. Technisch und rhythmisch bewege sich der Film "auf der Höhe des Könnens", er wolle ein "grosses, erhabenes Fresko aus der deutschen Geschichte" darstellen, bleibe aber trotz aller "Strassenszenen und Brandgewitter" nur ein "Kammerspiel, Intimität, Bühnenfinale bei dunklem Licht".
Harald Welzer schreibt in der Frankfurter Rundschau: "Dieser Film, machen wir es kurz, ist so schlecht wie er ideologisch ist, indem er vorgibt, authentisch und bewertungsfrei erzählen zu können, was ohne Kontextualisierung und Wertung gar nicht zu erzählen ist".

Eher allgemein mit Hitlerdarstellungen befassen sich folgende Artikel:
Gustav Seibt ( Süddeutsche Zeitung) ist ein wenig unwohl bei dem Gedanken sich mit dem Menschen Hitler im Film zu beschäftigen: "Die Seele Hitlers braucht uns nicht zu interessieren, wenn wir feststellen, dass er ein Mörder war, der sich für sein Tun eines Staates bemächtigt hatte und dessen Feld ganz Europa wurde." Dagegen meint Harald Martenstein im Tagesspiegel, die Kunst habe es nicht nötig, "pädagogische Kärrnerarbeit zu leisten, sondern hat Freiraum gewonnen für Neugier und sogar Unterhaltung." Übrigens wiege die Schuld derer, die den Nazis folgten um so schwerer, je "normaler und undämonischer" sie dargestellt würden.
Die Kulturwissenschaftlerin Claudia Schmölders meint in der Frankfurter Rundschau, dass der Film in Wahrheit "unsere Erinnerungskultur einer Zerreißprobe" aussetze: "Nachzuerleben, in welcher Schreckens-Atmosphäre die Großeltern der Generation Golf gelebt haben, einzutauchen in den mörderischen Wahn, dem sie gehuldigt und selbst zur Existenz verholfen haben, ist die Devise der Verfilmung, nicht mehr, aber auch nicht weniger."

Andreas Kilb von der FAZ hat sich noch einmal Pabsts Der letzte Akt angeschaut: "Wenn man den penibel recherchierten "Untergang" von Fest, Eichinger und Hirschbiegel sieht, wundert man sich, wieviel davon Mitte der fünfziger Jahre, in der Zeit kollektiver Verdrängung (die so kollektiv dann doch nicht war), schon da war. Nämlich fast alles." Was fehle, seien nur: "die Goebbelskinder. Die Ärzte. Die Stadtkommandanten und ihr Heldenkampf. Die très riches heures der Eva Braun mit Champagner und Frauengesprächen. Der Tod des Schäferhunds Blondi. Die Rettung Traudl Junges. Also alles, was Rührung oder Hoffnung stiften könnte."

Interviews mit Bruno Ganz zu seiner Hitler-Darstellung gibt es in der Süddeutschen Zeitung, der Welt und im Tagesspiegel. Die FAZ porträtiert Produzent Bernd Eichinger.

In der FAZ schreibt Nils Minkmar über Traudl Junge (siehe auch Im toten Winkel - Hitlers Sekretärin). In der taz schreibt Stefan Reinecke über Ernst Günther Schenck.

Die NZZ interessiert erst einmal das "Zeitgeistige" an der Sache: "Muss schon wieder eine 'neue Phase' deutscher Vergangenheitsbewältigung ausgerufen werden?" Die Süddeutsche Zeitung wünscht allen "Viel Spaß mit Hitler".

Die taz und die Welt waren beim Deutschen Historikertag und fassen die Einschätzungen der Experten zusammen. Der Tagesspiegel berichtet von höchst unterschiedlichen Reaktionen aus dem Ausland.

Jordan Mejias ( FAZ) hat sich auf dem Toronto International Film Festival nach Stimmen zu Downfall, wie Der Untergang dort heißt, umgehört.

Jörg Lau ( Zeit) fasst das ausländisches Presseecho zusammen. Er zitiert unter anderem den Wiener Standard, La libre Belgique, den Guardian, den Independent, die New York Times und Le Monde. Der Film werde eher "belächelt" und nur im amerikanischen Fachblatt der 'Hollywood Reporter' "enthusiastisch gelobt".

In der Zeit kann man ein ziemlich langes Interview mit Bernd Eichinger lesen.

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Infos zu diesem Titel
• Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Englisch
• Dolby, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 177 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 20. Oktober 2005
• Produktion: 2004

Features
DVD 1: Enthält die TV-Fassung von 175 Min. Optional deutsche Untertitel für Hörgeschädigte (Colortitle), Optional englische Untertitel für Hörgeschädigte, Optional Audiokommentar Bernd Eichinger

DVD-Extras DVD 2: Making of "Hitlers letzte Tage" (ca. 58 Min.), Lesung Melissa Müller (5 Min.), Melissa Müller spricht über Traudl Junge (ca. 8 Min.), Melissa Müller kommentiert Filmszenen (ca. 15 Min.), Dietmar Arnold spricht über die Entstehung der Bunkeranlagen (ca. 35 Min.), Der Bunker – Ein virtueller Rundgang (ca. 13 Min.).

DVD-Extras DVD 3: Interviews (ca. 90 Min.), Dreharbeiten zu "Der Untergang", Storyboard mit Oliver Hirschbiegel (ca. 3-5 Min.), Die historischen Figuren und ihre Darsteller (Textseiten), Biografien (Textseiten).

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