Filmkritik:
Wächter der Nacht - Nochnoi Dozor
(Nochnoi dozor/Night Watch) Russland 2004 R: Timur Bekmambetov - D: Konstantin Khabensky, Vladimir Menshov, Valery Zolotukhin, Maria Poroshina, Galina Tunina, Victor Verzhbitsky Filmwebsite
Seit Jahrhunderten herrscht zwischen den Mächten des Lichts und der Finsternis ein prekärer Waffenstillstand, der von den Wächtern der Nacht kontrolliert wird. Als das Gleichgewicht gestört wird, kommt es im Moskau der Gegenwart zum (vorläufigen) Endkampf (zwei Fortsetzungen sind in Produktion).
Blickpunkt:Film spricht von "einer in Moskau aufwändigst produzierten High-Tech-Fantasy-Mär, die in atemberaubenden Bildern vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse erzählt und im Entstehungsland für Furore und volle Kassen sorgte". "Optisch wie tricktechnisch vergleichbaren US-Materialschlachten nicht unterlegen, erzählerisch rasant und schauspielerisch überzeugend", müsse sich diese Schauermär nicht vor "deutlich stilgebenden Artverwandten" wie Matrix oder Blade verstecken.
"Zunächst einmal ist Wächter der Nacht kein Film, sondern ein Phänomen", stellt Rüdiger Suchsland im Filmdienst klar: "Der erste ernsthafte Schritt des russischen Kinos ins globalisierte Blockbusterland. Mit etwa vier Millionen Dollar vergleichsweise billig, für russische Verhältnisse aber sündteuer produziert, ist dies ein auf internationale Verwertbarkeit hin designtes Industrieprodukt". Von der wirren Handlung ist Suchsland ebenso genervt wie vom Stil des Films: "Die überladene Ästhetik von Wächter der Nacht entzieht sich zwar üblicher Hollywood-Glätte, doch wirkt sie in ihrer dick aufgetragenen Schmuddeligkeit und mit ihren verschwitzen Akteuren sowie Bild-Einfällen wie den Flammen, die mitunter aus einem Autoauspuff blitzen und vielleicht Selbstironie signalisieren sollen, meist peinlich. Übertriebene Soundeffekte und die laute, fast nie verstummende Rockmusik des Soundtracks verstärken den enervierenden Gesamteindruck eines technisch soliden, stilistisch aber hilflosen B-Movie-Trashs mit erstaunlich naiver Story. Am Ende fragt man sich, ob das alles nicht doch als Parodie auf Fantasy-Klischees gemeint war."
Barbara Schweizerhof ( Welt und epd Film) bespricht den Film positiv. Seine "Originalität" liege "in der engen Verschränkung von Fantasy und Realismus": "So abseitig die Handlung, so erkennbar nämlich ist der Moskauer Gegenwartsalltag. Regisseur Timur Bekmambetov fetischisiert geradezu die Morbidität der häßlich verschmutzten Treppenhäuser und verwahrlosten Küchen des sowjetischen Plattenbaus." Der Film male die die rauhe urbane Atmosphäre "so dicht", dass er "einen Zug ins Parabelhafte" bekomme.
"Filme wie diesen gibt es eine Menge, stets mit den gleichen glasig-digitalen Effekten und einem über den Dingen stehenden Augenzwinkern", meint Daniel Kothenschulte ( Frankfurter Rundschau). Andererseits sei Wächter der Nacht "voller landestypischer Besonderheiten". Der in Werbefilm und Popvideo groß gewordene Regisseur Timur Bekmambetow habe ein "besonderes Talent, die besonders bewunderten Sehenswürdigkeiten seiner Heimatstadt mythisch aufzuladen - winterlich dampfende Freibäder, festliche Metrogewölbe und verwildernde Plattenbauten". Kothenschultes Text ist weniger eine Kritik des Films denn Bericht über das "Phänomen" des ersten russischen Blockbusters. Im zweiten Teil des Artikels flicht er zudem viele Zitate aus einem Interview mit dem Regisseur ein.
Philipp Bühler von der taz sah ein "Amalgam zeitgenössischen westlichen Kinoschaffens", dessen Wesen die "Kopie" sei; wer hier "nach einer russischen Seele sucht, wird sie nicht finden". Nur vier Millionen Dollar steckten in dem Film, "aber es sind gefühlte vierhundert". Die Spezialeffekte "fliegen einem mit viel Heavy Metal nur so um die Ohren. Manchmal erfüllen sie einen Sinn. Meistens nicht. Ganz wie in Hollywood".
Völlig anders sieht das Sebastian Handke vom Tagesspiegel: für ihn ist Wächter der Nacht ein "völlig unamerikanischer Film", in seiner "Erfindung komplexer Welten des Unwirklichen und seiner expressionistischen Optik (...) einfallsreicher, dunkler und vielschichtiger, als es ein vergleichbarer Hollywood-Film je sein könnte. Das "rasende urbane Schauerstück" verlange "gelegentlichen Kinogängern jenseits der 30" besonders hohe Aufmerksamkeit ab.
Die Welt hat sich mit Regisseur Timur Bekmambetov unterhalten.
Die Welt am Sonntag erzählt die Produktionsgeschichte des in Russland überaus erfolgreichen Films, der nun mit amerikanischem Geld zur Trilogie ausgebaut wird.
Infos zu diesem Titel
• Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
• Dolby, Special Edition, Surround Sound
• Laufzeit: 109 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 4. Mai 2006
• Produktion: 2004
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