Filmkritik:
My Brother Tom
GB 2001 R: Dom Rotheroe D: Jenna Harrison, Ben Whishaw, Honeysuckle Weeks Filmwebsite
Zwei Jugendliche, beide mit negativen Erfahrungen ausgestattet, verlieben sich ineinander. Hans Jörg Marsilius vom Filmdienst lobt den Film sehr, hat lediglich kleine Schwächen im "im etwas forcierten und in die Länge gezogenen" letzten Viertel des Films gesehen. "Im Übrigen ist nicht zu übersehen, dass Dom Rotheroe vom Dokumentarfilm kommt ( A Sarajevo Diary) und ein Gefühl dafür hat, Szenen von großer Natürlichkeit und Spontanität zu schaffen." Und "mit seinen großartigen jungen Schauspielern gelingt es Rotheroe, auch in den extremeren Szenen nicht ins Spekulative oder übertrieben Dramatische abzugleiten."
Auch Claudia Lenssen von der taz ist begeistert. Sechs Jahre habe Rutheroe an dem Film gearbeitet, mehrmals die "die technischen Vorgaben" geändert, "jetzt kann er im Presseheft von der Präsenz seiner Darsteller und den überraschenden Kameraexperimenten schwärmen und als Schlüssel zum Ganzen nur noch das Wort 'Magie' in die Runde werfen. So einfach liest sich das manchmal, aber was für eine emotionale Wucht stand in diesem Fall dahinter! Der Mann ist infiziert von dem Fieber, das seinen Film aufheizt. Und was das Schöne an diesem Film ist: Dieses Fieber vermeint man auch als Zuschauer oder Zuschauerin in jeder Szene zu spüren." Der Film drehe sich um die Themen "Schmerz, Sprachlosigkeit und die Einsamkeit des Außenseiters, (...) um die phantasmagorische Kraft, mit der zwei Wahlgeschwister ihre eigene symbolische Sprache finden", er beschreibe aber auch "die Konfrontation der dunklen Märchenwelt seines Heldenpaars mit der Wirklichkeit, den Verlust der Binnenwelt und Zugewinn an Reife. Wuchtige dramturgische Bogen also, aber alle mit großer Genauigkeit geerdet und beglaubigt."
Der Tagesspiegel gibt sich auch ziemlich überwältigt, wenn letztlich auch nicht restlos überzeugt: "So halsbrecherisch schlingert die Geschichte von einer möglichen Wendung zur nächsten, dass einem beim Zusehen (und Nebenherdenken) fast schwindlig werden mag. Aber egal. In den ersten Spielfilm jagt man nun mal seine ganze Kraft, auch wenn der dann vor lauter Wucht kaum mehr gehen, geschweige denn fliegen kann. Später reicht dann weniger für mehr; später!"
Birgit Glombitza von der Zeit spricht von einem "großartigen, zugleich archaischen und unerhört modernen Film."
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