Filmkritik:
Hautnah
(Closer) USA 2004 R: Mike Nichols D: Julia Roberts, Jude Law, Natalie Portman, Clive Owen Filmwebsite
Der Film adaptiert ein Stück des Dramatikers Patrick Marber. Ein Mann und eine Frau betrügen miteinander Freundin und Ehemann. Es kommt irgendwann heraus und es entwickelt sich ein "schonungsloser Kampf der beiden Männer um beide Frauen, bei dem Gefühle verletzt und Herzen gebrochen werden und die Liebe irgendwie auf der Strecke bleibt." So schildert Blickpunkt:Film das Geschehen. Der Film verlasse sich nicht nur auf seine hier "angenehm unglamourös" auftretenden Stars, sondern auch auf "ausgefeilte, messerscharf gewetzte und manchmal umwerfend komische Dialoge". Die episodenhafte Struktur mache den Film "interessant und reizvoll" und die Schauspielerleistungen seien hervorragend.
Auch Holger Römers (Filmdienst und Frankfurter Rundschau) ist sehr angetan von dem Film: "Wie sich das ausgesparte Geschehen allein aus den Dialogen ergibt, besitzt faszinierende Eleganz" auch wenn es nicht eben dazu beitägt die Charaktere mit Leben zu erfüllen. Auch er war mit den Schauspielern recht zufrieden, wobei Clive Owen die "dankbarste Rolle" abbekommen hat, der "einige herrlich bissige Dialoge in den Mund gelegt (wurden), die Owen mit solcher Lust vorträgt, dass er den Stoff beinahe schon ironisch bricht."
Hellmuth Karasek schreibt in der Welt am Sonntag, dass Billy Wilder.... nein natürlich nicht, Entschuldigung. Also, Hellmuth Karasek zieht Parallelen zu Nichols Erstlingswerk Wer hat Angst vor Virginia Woolf : "Beide handeln von Beziehungshöllen. Beide reißen sich in wilden psychischen Ausbrüchen die Haut von der Seele. Beide zeigen weniger das Glück, mehr das bedrohliche Verhängnis von Nähe, Leidenschaft, sexueller Besitzgier. In beiden Fällen zerfleischen sich die Paare, weil sie sexuellen Besitz nur im Verrat behaupten können." Der Film hat ihm auch wegen der "glänzend" spielenden Schauspieler gefallen.
Peter Zander (Die Welt) hat der Film nicht besonders gefallen. Die Figuren wirkten "kalt und distanziert (...): Laborratten in Laborzellen. Die vier Darsteller, hervorragend präsent und entwaffnend schamlos, müssen gegen diese Sympathielosigkeit ebenso anspielen wie gegen Nichols sterile Regie: allen voran Jude Law, Natalie Portman, Clive Owen und Julia Roberts, die man am wenigsten vermutet hätte in einem solchen 'europäischen' Beziehungsdrama."
Sabine Horst von der Zeit schreibt, der Film sei "von einer bestechenden handwerklichen Virtuosität (...) Diese Könnerschaft entfaltet einen Sog, der über den manchmal salontheaterhaften Charakter des Skripts hinwegträgt. Bis das Gefühl der Leere, das sich über einem zu geschliffenen Aperçu oder zu erlesenen Accessoire einstellt, nicht mehr als Produkt der Inszenierung, sondern als das ihres Gegenstands erscheint".
Tobias Kniebe von der Süddeutschen Zeitung ist eigentlich ganz angetan von den "scharfzüngigen" Gesprächen über "Sex, Gefühle und Identitäten", und es stört ihn auch nicht so sehr, dass der Film etwas wie eine "mathematische Versuchsanordnung" wirkt. Doch er hält die zugrundeliegende Thematik für etwas überholt. Bei der 23-jährigen Natalie Portman habe man das Gefühl, "dass sie sich zwischendrin ratlos fragt, was in Gottes Namen diese Figuren eigentlich antreibt. (...) Auch diese Generation kennt ihre Geschlechterkämpfe, ganz klar, auch sie kennt die heilende wie zerstörende Kraft der Wahrheit in den Verwicklungen der Liebe. Nur die geheime Idee von Hautnah, dass es in solchen Kämpfen tatsächlich Gewinner geben könnte – die ist in den letzten sieben Jahren restlos aus der Mode gekommen."
Daniel Haas vom Spiegel schreibt, es sei ein "kühler, intellektueller Film, der nur dank seiner großartigen Darsteller Emotionalität und Spannung entwickelt." Später mosert er aber doch an den Schauspielern herum, als er den Film mit Wer hat Angst vor Virginia Woolf? vergleicht. Bei Burton und Taylor wohnte man "dem Ehekrieg der Ehekriege bei, nicht einem verbalen Ringelpietz ohne Anfassen. Wer hat Angst vor Julia Roberts? Entschuldigung, dass wir lächeln."
Jan Schulz-Ojala (Tagesspiegel) schreibt, spannend sei der Film "weniger wegen der Verwicklungen, die gegen Ende sogar augenblicksweise ermüden, sondern wegen des Dauerkriegs zwischen Verschweigen und Wahrhaftigkeit; auch wegen der erfrischend expliziten Sprache, in der dieser Kampf ausgefochten wird. Und vor allem wegen der Schauspieler."
Für Bert Rebhandl von der taz besteht Hautnah "im Wesentlichen aus den Dialogen, denen das Theater deutlich anzumerken ist". Mike Nichols "macht nicht viel mehr, als London als mondäne Stadt zu zeigen und den Schauspielern das nötige Tempo zu verordnen". Der Film behaupte, von Sex "lasse es sich eben doch direkt und unzensiert und, ja, unverschämt handeln, ohne in die Schmuddelecke zu geraten",und ein Publikum, das "diese Leistung für eine solche hält", werde den Film goutieren und "manche Dialoge gewagt finden. Alle anderen werden sich langweilen".
Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
• Bildformat: 1.85:1
• Dolby, Surround Sound
• Laufzeit: 100 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 5. Juli 2005
• Produktion: 2004
DVD Features:
• Musik-Video
• Verschiedene Trailer
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