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Aktualisiert am 20.03.2006
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Filmkritik:

Napola - Elite für den Führer

Napola - Elite für den Führer

D 2004 R: Dennis Gansel D: Max Riemelt, Tom Schilling, Devid Striesow, Joachim Bißmeier, Justus von Dohnányi, Michael Schenk Filmwebsite
Deutschland 1942: der 16-jährige Arbeiterjunge Friedrich wird wegen seines boxerischen Talents auf ein Nazi-Eliteinternat gelockt. Durch die Freundschaft zu dem sensiblen Albrecht beginnt er, an dem System zu zweifeln.
Die "fiktive Geschichte zweier scheinbar gegensätzlicher, befreundeter Schüler" erzählt der bei den Festivals in Karlovy Vary und Hof positiv aufgenommene Film in "bewegenden, schockierenden auch amüsanten Momenten", meint Blickpunkt:Film; wegen seines "durchstrukturierten" Drehbuchs, gut choreographierter Massenszenen und glaubwürdiger Darsteller sei dem Film ein "zahlreiches, auch jüngeres Publikum" zu wünschen.
Michael Kohler vom Filmdienst sah nach dem Untergang einen "weiteren Film aus Deutschland, der im Nationalsozialismus nicht zunächst die Verpflichtung zur ästhetischen Zurückhaltung, sondern vor allem einen Filmstoff sieht". Napola sei ein "Lackmustest für die Teenager von heute", dessen Botschaft laute: "Lasst Euch nicht verführen!". Regisseur Gansel wolle es dem jungen Zielpublikum nicht zu leicht machen und greife deshalb "mitunter auf die Inszenierungstechniken einer Leni Riefenstahl" zurück. "Verharmlosung" könne man ihm aber "beim schlechtesten Willen nicht vorwerfen". Bei diesem "exzellent gemachten Kino" bleibe aber vor allem eines in Erinnerung: "Gute Absichten, die ihr Ziel verfehlen".
Adriano Sack von der Welt am Sonntag hält die Revanchismusvorwürfen, denen sich der Film ausgesetzt sehe, für ungerecht. Die Frage, die er stellt, sei legitim: "Wie konnten sich Menschen von diesem System so leicht verführen lassen?" Also "zeigt Napola eben auch den verführerischen Glanz einer Eliteschule". Dennis Gansel habe "einen Jugendfilm gemacht, aber er glaubt an die Mündigkeit seiner Zuschauer" und weigere sich, seinen Zuschauern "jede Erkenntnis, jede moralische Wertung vorzukauen und explizit einzuflößen". Das Ganze sei im Ergebnis vielleicht "rührselig", aber nicht "fahrlässig".
Hellmuth Karasek, selbst ein Napola-Schüler, schreibt in der Welt, dass der Film die "Atmosphäre glänzend zu treffen scheint, die damals herrschte"; er sei "gut, sicher, effektsicher gemacht" und "hervorragend gespielt". Die dramaturgischen Zusspitzungen nehme er gerne in Kauf, dass sei eben Kino, "sogar Kintopp, aber es dient wirksam einer überhöhten Wahrheitsfindung".
"Ein bisschen einfach – und nicht besonders neu – "sei die Moral von Napola, schreibt Jan Schulz-Ojala vom Tagesspiegel. Gansel, ein „Nachgeborener mindestens der zweiten Generation“, interessiere sich „nicht wirklich für die Nazizeit, sondern für eine Coming-of-Age-Story mit Action“. Die Zeitgeschichte sei „bloße Kulisse“. Der Film wende sein „historisch scharf eingrenzbares Thema lieber gleich ins Menscheln gegen das Teuflisch-Allzuteuflische“.
Hanns-Georg Rodek (Die Welt) vergleicht die Arbeit Gansel/Riemelt mit denen des "jungen Malers" Norbert Bisky. Beide seien "Ausdruck des neuen, 'unbefangenen' Umgangs, den die Enkel der Täter und Dulder mit ihrem braunen Zwangserbe" pflegten: Es sei "nun offenbar möglich", einen "riefenstahlschen Blick auf durchtrainierte Jungmännerkörper zu werfen", "und ...sich Fasziniertsein einzugestehen". Bisky und Gansel besäßen "soviel Geschichtsinstinkt, sich eine sichere Rückzugslinie aufzubauen". Aber man komme "nicht umhin, eine Diskrepanz zwischen der Geschichtenoberfläche und ihrer ästhetischen Unterfütterung festzustellen". Während das Drehbuch "seiner Abscheu über diesen Drill zum Übermenschen Ausdruck verleihe", entzücke sich "die Inszenierung an den Ingredienzen der Manipulation: dämonisch ausgeleuchtete Säle, zackiges Exerzieren, Fackeln bei Nacht".
Auch Dietrich Kuhlbrodt von der taz sieht die Macht der Bilder dieses Films kritisch:"Wir haben den Blick frei und das Bild pur. Alles eins zu eins, und die rechte Haltung dazu wäre affirmativst -; okay: voll affirmativ". Um "das Schlimmste zu verhindern", rette sich "Faszinosum-Gansel" (Kuhlbrodt erinnert daran, dass die Drehbuchautoren 2003 für Napola den Deutschen Filmpreis für das beste noch nicht verfilmte Drehbuch bekommen haben) in "klasse Kunstgewerbe". Suche da "einer unter der Eisdecke den Suizid", werde "die Unterwasserkamera ausgiebig eingesetzt", und statt den Albrecht zu retten, werde dann auch noch "von oben durch das Eis gefilmt, damit wir sehen, wie malerisch sich das Gesicht des Napola-Schülers von unten an die Decke pressen kann".
Birgit Roschy von der Frankfurter Rundschau ist mit der Leistung des Films, den "mündigen Zuschauer" vorausgesetzt, zufrieden. Er breche das "bisherige Zeige-Tabu", indem er "ungeniert die Verführungskraft des 'Nazi-Schicks' samt seines messianischen Pathos" demonstriere. Riemelts "Qualen beim Abschwören der Nazi-Ersatzväter" seien "handwerklich exzellent inszeniert". Das preisgekrönte Drehbuch ziele, statt den Zeigefinger zu erheben, auf die "Emotionen des Zuschauers", der "mitzubibbern" beginne, wenn Riemelt "zwischen Gewissen und Nazi-Ehren" zerrissen werde. Für "profunderen Erkenntnisgewinn" aber, räumt Roschy ein, sei das Drama dann "doch zu brav und trivial": Das, "so Gansel,'Unheimliche' des Nazi-Phänomens", bleibe "außen vor".
Der Kritik ist ein kurzes Interview mit Regisseur Dennis Gansel angehängt.

"So einfach liess sich die richtige Entscheidung in jenen politisch verwerflichen Zeiten finden, sagt uns dieser Film zum Schluss", meint die NZZ; warum es dann aber "nur wenige gab, die eine solch klare Haltung einnahmen", das thematisiere Dennis Gansel nicht, heißt es weiter. Dem Regisseur gehe es "offensichtlich nicht um eine Darstellung von gesellschaftspolitischen Zusammenhängen im Dritten Reich" Die Historie "dient Gansel indes nur als Vorwand und Kulisse für einen klassischen, handwerklich gekonnt gemachten Internatsfilm".

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Infos zu diesem Titel
• Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
• Bildformat: 16:9, 2.35:1
• Dolby, DTS Surround Sound, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 110 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 25. August 2005
• Produktion: 2004

DVD Features:
• Videotagebuch des Regisseurs
• Deleted Scenes; Interviews
• Storyboard-Vergleiche; Darsteller-Infos
• Hintergründe; Der besondere Filmtipp
• Audiokommentar des Regisseurs

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