Filmkritik:
Die Erde von oben
(La terre vue du ciel) F 2004 R: Renaud Delourme, 67 Min. Filmwebsite
Mit Musik von Armand Amar unterlegte Collage aus Standbildern des durch den gleichnamigen Bildband bekannten Luftbildfotografen Yann Arthus-Bertrand.
Jens Hinrichsen (Filmdienst) erkennt an, dass der Film die Klippen des Genres "vertonter Farbdiavortrag“ umschiffe, das Statische vermeide, das "bloße Aneinanderreihen visueller Stationen" und "auch in der Kombination von Ton- und Bildebene fast durchweg erfinderisch" bleibe. Die Absicht von Regisseur und Fotograf, "an das Menschheitsgewissen (zu) appellieren, verantwortungsvoller mit der Erde umzugehen", sieht Hinrichsen aber nicht erreicht. Delourme tue "unterm Strich wenig dafür, die Erkenntnisfähigkeit seiner Adressaten zu wecken, die im Bann der schönen Bilder vielleicht ohnehin schon entschlummert sind. Die Risiken und Nebenwirkungen übermäßigen Höhenflugs liegen auf der Hand: Vom himmlischen Standpunkt aus wirken die Missstände überschaubar klein, und auch das Problembewusstsein schrumpft. Das Tragische daran ist, dass Arthus-Bertrand und Delourme sich das genaue Gegenteil auf die Fahnen geschrieben haben."
Sascha Westphal (Frankfurter Rundschau) schreibt von einem "zumindest formal höchst ungewöhnlichen Dokumentarfilm", denn mit Hilfe digitaler Techniken habe Delourme zusammen mit Daniel Marchetti, einem Spezialisten für Bildanimationen und digitale Effekte, "dynamische Zooms kreiert, die zum einen Bewegung in den Film bringen und zum anderen einen Eindruck von räumlicher Tiefe simulieren. So wie uns Arthus-Bertrand mit seinen Aufnahmen die Möglichkeit gibt, die Welt aus einer anderen Perspektive noch einmal neu zu betrachten, so lassen uns Delourme und Marchetti seine Fotografien mit anderen Augen sehen." Inhaltlich hat Westphal jedoch Kritik anzumelden: "Delourme (...) vertraut offenbar weder der Kraft der Fotografien noch der Wahrnehmung des Betrachters. Er lässt seine Bilder nie für sich sprechen, sondern zwängt sie in einen weiteren symbolischen und moralischen Zusammenhang." Auch die "Soundeffekte, die einen Großteil der Bilder begleiten", findet er "aufdringlich und kontraproduktiv".
Eberhard von Elterlein (Welt) haben die Töne und Musik des Film nicht gestört, und auch die durch Zooms und Überblendungen erreichte Dynamisierung der Bilder findet er gelungen. Es entstehe "ein Bilderbogen, dessen eigenwillige Dynamik überzeugt und neue Blicke zulässt". Die als ein Dialog zwischen Vater und Sohn den Bildern unterlegten Texte haben im aber ebenso wie seinem Kollegen von der FR missfallen: "Das ist Zeigefinger-Esoterik, die sich der Ästhetik der grandiosen Fotografien verweigert."
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