Filmkritik:
Nichts bereuen
D 2001 R: Benjamin Quabeck D: Daniel Brühl, Jessica Schwarz, Denis Moschitto Filmwebsite
Der Film über einen jungen Zivildienstleistenden und sein Liebesleben hat Nikolaj Nikitin ( Der Schnitt) sehr gut gefallen. Getragen von hervorragenden Schauspielern und einer behutsamen Regie, sei der Film sehr authentisch und habe vor allem eines - "Seele". Tobias Kniebe von der Süddeutsche Zeitung, noch ein wenig begeisterter, erzählt einiges aus dem Film (und aus seinem Leben), das uns an der Authentizität doch ein wenig zweifeln läßt. Die Schauspieler, der Regisseur, die Produzentin, der Kameramann und jetzt wohl auch Tobias Kniebe, sie alle seien jung und klasse.
Blickpunkt:Film spricht von "Frische und ungezwungener Erzählsorgfalt" ohne "Soapopera-Pathos und Geschwätzigkeit". Julian Hanich vom Tagesspiegel fand den Film für ein Regiedebüt "verdammt souverän". Er stelle "Fragen, die in einem anderen Film wahrscheinlich peinlich wären", eben nach der Liebe und dem Älterwerden. Daniel Brühl sei eine "Entdeckung". Eberhard von Elterlein ( Die Welt) bewundert vor allem die Lakonie des Films. Der Film lebe "von der Kraft des Unprätentiösen: Ein Teenager ist ein Teenager, und eine Stadt ist eine Stadt. Die Farben sind grau, weil eben trüber Herbst ist, und der monologische Erzählton ist eben lakonisch, weil dies der einzige Weg ist, den Unebenheiten des erwachsen werden wollenden Lebens zu begegnen."
Merthen Worthmann von der Zeit lobt den Film überschwänglich. Gerade im Vergleich zu anderen Werken des Genres überzeuge Quadbeck durch "seine Direktheit, seine kleinen Schamlosigkeiten, sein absolutes Gehör für den passenden Ton - und seine Entscheidung für den Hauptdarsteller Daniel Brühl, dem die innere Sprunghaftigkeit des 19-jährigen Helden Daniel zwischen Neugier, Euphorie und Zerknirschung bis in die Fingerspitzen und Mundwinkel hineinreicht."
Thomas Winkler von der taz lobt, der Film zeichne "in lakonischen Dialogen und oft einfach stummen, aussagekräftigen Einstellungen ein witziges und auch trauriges und vor allem exaktes Bild von Jugend in Deutschland."
Die Kritiken sind diesmal etwas seltsam, alle loben die unaufdringliche Inszenierung und Lakonie des Films um dann Szenen aus dem Film zu zitieren die dazu nicht recht passen wollen. Schönes Beispiel: Oliver Hüttmann vom Spiegel: "...Sie liegen bereits im Bett, als ihn sein selbst auferlegtes Gelöbnis zur Enthaltung nackt in die Nacht flüchten lässt und er sich in der Kirche ans Kreuz bindet. Das klingt absurd und auch albern, doch Quabeck und seine famosen Darsteller meistern mit unaufdringlicher, ungerührter Komik selbst pikante Situationen, in denen Daniel eine Anti-Baby-Pille mit Tequila schluckt oder aus einem Wäschekorb ein Höschen fingert, das dann gar nicht Luca gehört." Und zur Kameraführung: "Quabeck probiert fast alles aus, was das Kino technisch und visuell hergibt. Er teilt die Leinwand in mehrere Bilder auf, wie man es in den Siebzigern bei Krimis und Katastrophenfilmen machte, wackelt in Dogma-Art mit der Kamera, zeigt grell verfremdete Aufnahmen wie in Video-Clips. Was zuerst etwas aufgesetzt und experimentierwütig wirkt, entwickelt sich dann bald zu einem ganz eigenen, ungemein stilsicheren Rhythmus."
Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau ist da sehr erhellend: "Daniels Dialoge erscheinen so gestelzt wie in einem szenigen deutschen Jungliteraten-Debüt. Der nachsynchronisierte Ton bricht sich unangenehm mit dem Handkamerarealismus. Aber genau das ist es: Erst diese Divergenz zum Nächstliegenden lässt uns haargenau hinsehen, was wirklich geschieht, und so findet das filmische Äquivalent zu jener Überintensität, die das Leben mit 19 nun einmal noch bereit hält." Das erinnert ihn an Truffauts Antoine und Colette. Eine recht interessante Kritik.
Infos zu diesem Titel
• Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Englisch
• Bildformat: 1.85:1
• Dolby, Special Edition, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 100 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 11. Oktober 2002
• Produktion: 2001
DVD Features:
• 3 Audiokommentare mit Daniel Brühl, Jessica Schwarz und Regisseur Benjamin Quabeck
• Making Of, Kurzfilm "Höhenangst", Interviews
• Musikvideo von Lee Buddah
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