Filmkritik:
Avatar
USA 2009 R: James Cameron D: Sam Worthington, Zoë Saldana, Sigourney Weaver, Stephen Lang, Michelle Rodriguez, Giovanni Ribisi, Joel David Moore, CCH Pounder 161 Min. Filmwebsite
Jake Sully ist ein ehemaliger Marine, der an den Rollstuhl gefesselt ist. Sein Körper mag gebrochen sein, doch im Herzen ist Jake noch immer ein Marine. So wird Jake rekrutiert, zu einem Lichtjahre entfernten Außenposten menschlicher Zivilisation zu reisen - nach Pandora, einem Mond, auf dem Großkonzerne ein seltenes Mineral fördern, das die Energiekrise auf der Erde lösen könnte. Weil die Atmosphäre Pandoras giftig ist, hat man dort das Avatar-Programm ins Leben gerufen. Dies ermöglicht, das Bewusstsein menschlicher "Steuermänner" an einen Avatar zu binden, einen ferngesteuerten biologischen Körper, der bei den tödlichen atmosphärischen Gegebenheiten überleben kann. In der Hülle seines Avatars wiedergeboren, kann Jake wieder laufen.
Hanns-Georg Rodek von der Welt hat einen "Meilenstein" gesehen. Die Geschichte könnte "in ihrer antikapitalistischen Moral zusammen von Michael Moore und Greenpeace verfasst worden sein", der Plot "klingt wie ein Brechtsches Lehrstück". Davon abgesehen sei dies ein "grandioser Actionfilm".
Katja Nikodemus von der Zeit spricht von einem "wirklich visionären Film"; es sei, "als hätte Cameron die Schöpfungsgeschichte noch einmal auf LSD geschrieben".
Georg Seeßlen schreibt in der taz: "Fantasy und Western, Science Fiction und Kriegsfilm, moralisches Statement und visueller Trip (eine Parallelschöpfung auf Magic Mushrooms), History Lesson und Kinderkram, technisch-ästhetisches Wunderwerk und das teuerste B-Movie aller Zeiten. Wenn man Avatar gesehen hat, hat man alles gesehen, was das populäre Kino derzeit können will und wollen kann."
Peter Körte von der FAZ meint: "Ein Seeleningenieur wie Cameron jedoch schafft es immer wieder, dass man all das vergisst: das Gestell auf der Nase, das klappernde Skelett der Story, die Holzschnitttechnik beim Clash der Kulturen; und einfach nur staunt: über diesen uralten magischen Effekt des Kinos, der die Leinwand zum Fenster zu einer anderen, nie gesehenen Welt werden lässt. Das macht Avatar zwar nicht zum Film des Jahres oder gar des Jahrzehnts, wie hier und da schon trompetet wird, aber zu einem Spektakel, dem man sich unbedingt aussetzen sollte."
"Dieser Film ist, was es schon lange nicht mehr im Kino gegeben hat: Ein richtiges Weihnachtsgeschenk. Eine Phantasieorgie in 3D, ein schweres coffee-table-book von einem Film, der nicht aufhört, seine Einfälle über uns auszuschütten, für manchen vielleicht bis zum bescheidenen Abwinken", schreibt Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau.
"Wer James Camerons Avatar gesehen hat, kehrt staunend, ja benommen von einer Reise zurück, die ihn auf einen unbekannten Kontinent geführt hat oder schnurstracks aus unserem Sonnensystem heraus. Wie davon erzählen?" - Jan Schulz-Ojala vom Tagesspiegel schafft es dann doch.
Christoph Egger von der NZZ ist von der neuen Technik nicht richtig begeistert: "Noch immer vermag die Projektion in 3-D nicht recht zu überzeugen, zumal im Realfilm. In statischen Bildkonstellationen mutet die Tiefenstaffelung der Figuren bühnenhaft starr an. Von beeindruckender Prägnanz sind allerdings die Verfolgungsjagden im 'luftleeren', hier wahrhaftig dreidimensionalen Raum". Die mit enormem Aufwand gefertigte Welt wirke "seltsam artifiziell, unorganisch"; Cameron sei "einfach ausserstande, wirklich berührende Geschichten zu erzählen".
Susan Vahabzadeh von der Süddeutschen Zeitung staunt, dass "das, was da entstanden ist, in all seiner Künstlichkeit eine Seele hat". Etwas wie Avatar habe es im Kino "noch nicht gegeben, und der Film hat dabei auch etwas museales: So schnell wird es nichts vergleichbares auf der Leinwand zu sehen geben".
Felicitas Kleiner vom Filmdienst lobt das technische Verfahren: Die Erkundung des Planeten Pandora werde durch die "fast schon hyperrealistische Sogwirkung der neuen Technik zum Faszinosum, das den Hype, der vorab um Avatar gemacht wurde, durchaus rechtfertigt". Camerons 3D-Technik "verleiht dem Kino als suggestivem Erlebnis von Raum und Bewegung eine neue Qualität".
"James Camerons 3-D-Spektakel Avatar, der teuerste Film der Kinogeschichte, ist ein Triumph der Technik und visuell beeindruckend", konstatiert Spiegel Online.
Telepolis (folgt)
Die Welt hat mit Cameron gesprochen, die Frankfurter Rundschau mit Sigourney Weaver. Die Welt erläutert, unter anderem am Beispiel von Avatar, "warum uns der Weltuntergang so fasziniert".
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