Die Filmstarts vom 18. Mai 2006
  Building the Gherkin - Norman Foster...
  The Da Vinci Code - Sakrileg
  Falscher Bekenner
  Hitlerkantate
  Napoleon Dynamite
  Private
  Septemberweizen (WA)
  The Sounds of Silents - Der Stummfilm...
  Tristan & Isolde
  Workingman's Death
  Zulu Love Letter

A B C D
E F G H
I J K L
M N O P
Q R S T
U V W X
Y Z 0-9

Durchsuchen Sie unsere Website:

Aktualisiert am 02.06.2006

Filmkritik:

Falscher Bekenner

Falscher Bekenner

D 2005 R: Christoph Hochhäusler D: Constantin von Jascheroff, Manfred Zapatka, Victoria Trauttmansdorff, Nora von Waldstätten, Devid Striesow, Florian Panzner, Laura Tonke Filmwebsite
Armin hat gerade seinen Realschulabschluss gemacht und bewirbt sich eher lustlos und auf sanftes Drängen seiner gutsituierten Eltern auf Arbeitsstellen. Auf einem seiner ziellosen nächtlichen Streifzüge entdeckt er ein Autowrack mit einem toten Insassen und kommt auf die Idee, sich in einem anonymen Schreiben als Attentäter zu bezichtigen.

Ulrich Kriest vom Filmdienst charakterisiert den Film als "irritierend vielschichtige Studie", die nicht nur ein "Porträt einer indifferenten Generation" sei, sondern "ein recht umfassendes und schlüssiges Bild einer Gesellschaft, der die eigene Mitte bereits vor Jahrzehnten abhanden gekommen ist".

Sven von Reden von der Welt am Sonntag ist ganz aus dem Häuschen, denn er hat einen der "beeindruckendsten deutschen Filme der letzten Jahre" gesehen. So scheut er nicht den Vergleich mit internationalen Regiestars: " Falscher Bekenner erinnert in seiner subtilen Horrorstimmung an David Lynch und in seinen Rhythmuswechseln zwischen ruhigen Beobachtungen und Schockmomenten an Michael Hanekes Caché. Hinter diesen großen Namen braucht sich der 33jährige Hochhäusler mit seinen sorgfältig komponierten Breitwandbildern nicht zu verstecken, obwohl sein Film auf High-Definition-Video gedreht wurde und ohne Senderbeteiligung für nur 80 000 Euro entstand."

Christian Buß (Spiegel Online) lobt in einer Doppelbesprechung von Falscher Bekenner und Schläfer "die beiden kleinen feinen deutschen Produktionen".

Der "Filmkünstler" Christoph Hochhäusler habe "mit bemerkenswerter Könnerschaft eine Fallstudie über moderne Adoleszenz vorlegt, ohne seinen Protagonisten auch nur eine Sekunde in eine Freiheit jenseits der Ästhetik zu entlassen", schreibt ein beeindruckter Bert Rebhandl in der taz. Er verweist darauf, dass Hochhäusler schon in Milchwald gezeigt habe, "dass er zum fantastischen Genre neigt", und auch Falscher Bekenner halte es kaum in der profanen Realität: "Was Bernhard Keller mit seiner luziden Kameraarbeit freilegt, wird in der Montage, die nicht selten Szenen zu früh abbricht und manchen Suspense zu elliptisch ins Leere laufen lässt, häufig wieder mysteriös."

"Hellsichtiger und zugleich humorvoller kann ein Film kaum vom heutigen Deutschland sprechen", lobt Sascha Westphal (Frankfurter Rundschau). Seiner "überaus ernüchternden Bestandsaufnahme unserer Zeit zum Trotz" präge Falscher Bekenner "eine absurde Komik". Hochhäuslers "grandiose Cinemascope-Kompositionen" verengten "nicht nur die Räume um Armin so weit, dass er im doppelten Sinne ein Gefangener ist - seiner Phantasie wie einer ihm feindlichen Umwelt. Sie offenbaren auch durch ihre bitterböse Komik das Kleinliche des Lebens in den geordneten Vorstadtsiedlungen der alten Bundesrepublik".

Julian Hanich (Tagesspiegel) schreibt: "Christoph Hochäuslers Falscher Bekenner (...) würde herausragen allein wegen seines genauen Blicks auf die westdeutsche Gutbürgerlichkeit – vom sonntäglichen Essen mit Freunden bis zum Verdauungsspaziergang am Nachmittag. Auf einer hochauflösenden Videokamera im breiten Cinemascope-Format gedreht, ist der Film aber noch viel mehr: das unspektakuläre und dennoch gestochen scharfe Porträt eines jugendlichen Außenseiters." Constantin von Jascheroff spiele den Armin "mit der wohltuenden Frische des Newcomers".

Auch Antje Schmelcher (Welt) lobt den Hauptdarsteller: "Constantin von Jascheroff ist ein Schauspieler, der die Verwandlung vom Nichtstuer in einen Täter traumwandlerisch sicher darstellt. Er rührt einen mit seinem noch kindlich nach innen gerichteten Blick, ebenso wie sein dünnes Lächeln am Ende der Tat gruselt." Über den Film schreibt sie: "Hochhäusler erzählt die alte Geschichte der Jugend ohne Gott und gibt damit neue Rätsel auf. Daß sein Film gelegentlich etwas zäh fließt, mag man ihm angesichts der hervorragenden Schauspieler gern verzeihen."

Reiner Gansera (epd Film) sieht hier, wie "die Franzosen", ein außerordentliches Talent am Werk, nämlich "Hochhäuslers pikturale Präzision, seine Fähigkeit, die Realität als verwunschenen Ort existentieller Konfusion und Leere erscheinen zu lassen".

Für Birgit Glombitza (Zeit) ist Falscher Bekenner "ein leiser, geheimnisvoller Film. Nicht märchenhaft überhöht wie sein Vorgänger ( Milchwald) . Er erzählt vom Nihilismus der mittleren Reife und blickt mit schon ethnologischer Distanz in die Black Box einer pubertären Welt."

Der Film lief 2005 in Cannes in der Reihe "Un certain regard".
Katja Nicodemus (Zeit) schrieb damals, etwas laufe in Deutschland "gründlich schief, wenn ein derart begabter Regisseur wie Hochhäusler erst ein Meisterstück wie Milchwald abliefert, seinen Cannes-Beitrag Falscher Bekenner aber praktisch ohne Fördergelder drehen muss".

Lars-Oliver Beier (Spiegel Online) fand, Regisseur Christoph Hochhäusler beschreibe "überaus geschickt, scheinbar immer schnurgerade auf das Klischee zusteuernd und es zum Glück immer haarscharf verfehlend" das "betäubend ereignislose Leben in der deutschen Provinz". Beier ist beeindruckt von Hochhäuslers "genauem Blick für familiäres Alltagsleben", aber die "kryptisch-elliptischen letzten zehn Minuten" des Films gäben dem Zuschauer Rätsel auf.

Jan Schulz-Ojala vom Tagesspiegel schrieb: "Erhellend, wie miserabel die denn doch kleine Misere verpufft; nur hat der Film bis dahin mit Klischee-Nebenfiguren, papierenen Dialogen und arg laxen Improvisationen beträchtlich strapaziert."

Was läuft wo?
Welcher Film, welche Stadt, welches Kino, welche Uhrzeit - finden Sie's raus mit dem Cinema-Kinotimer