Filmkritik:
Der die Tollkirsche ausgräbt
D 2006 R: Franka Potente D: Emilia Sparagna, Christoph Bach, Justus von Dohnányi, Max Urlacher, Teresa Harder, Regine Zimmermann, Alexander Seidel, Rudi von Dohnányi, Stefan Arndt 43 Min. Filmwebsite
(Fast-)Stummfilm in schwarz-weiß, in dem ein zeitreisender Punk das Leben einer kaisertreuen, verarmten Feudalfamilie im Jahre 1918 durcheinanderbringt.
Horst Peter Koll (Filmdienst) schreibt von einem "filmischen Kuriosum" und von einer "Fingerübung in Schwarz-weiß", die sich stilistisch "zwischen den Polen von (Slapstick-)Komödie und (expressionistischem) Drama" verorte: "Dabei sind die formalen wie inhaltlichen Ansprüche Franke Potentes ungleich bescheidener als in den alten Meisterwerken: Sie begnügt sich mit dem Ausprobieren technisch-narrativer Mittel, spielt mit Irisblende und Filmtricks à la Méliès, jongliert mit Zwischentiteln und (eindrucksvoller) orchestraler Musik und hat ihren Spaß an Brüchen, wenn sich allmählich die Grenzen zwischen Normalität und lustvollem Wahnsinn aufheben und die Fantasie Purzelbäume schlägt. Das ist weitgehend kurzweilig und phasenweise auch amüsant (etwa in der Einbeziehung alter Kintopp-'Erotik'), aber selbst für die knappe Filmlänge substanziell nur in Maßen tragfähig."
"Welch herrlicher Schabernack!", frohlockt Peter Zander von der Welt: "Die Bürger der Kaiserzeit sprechen stummfilmgerecht in Zwischentiteln, der Punk indes mit echtem Ton. Kulturenclash vom Feinsten, der prompt auf Ablehnung stößt." Zander hat anscheinend die kürzlich durch die Republik tourende Guy-Maddin-Werkschau verpasst, denn "so viel Leichtigkeit, Augenzwinkern, Experimentierfreude haben wir lange nicht erlebt. Potentes potentes Regiedebüt." Soviel Wortwitz haben wir lange nicht erlebt.
Origineller ist da schon Daniel Kothenschulte (Frankfurter Rundschau) mit der Überschrift "Panzerkreuzer Potente". Er schreibt: "Franka Potente hat etwas Erstaunliches versucht. In ihrem 48-minütigen Spielfilm Der die Tollkirsche ausgräbt geht sie zurück in die erste Blütezeit des Erzählkinos um 1918. (...) Man muss Potente zu Gute halten, dass sie den Anachronismus nicht überstrapaziert. Tatsächlich ist ihr Inszenierungsstil ausgesprochener Edelpunk. Es gibt ein paar schöne surreale Ideen wie die Popoklatschmaschine jenes lüsternen Lebemannes, den die Heldin eigentlich heiraten soll. Was es nicht gibt, ist die tatsächliche Einfachheit des frühen Kinos."
Sebastian Leber (Tagesspiegel) findet, Potente sei "ein wunderschöner Film gelungen. Eine groteske Zeitreise ins Jahr 1918, mit clownhaft überzeichneten Charakteren und dem Charme altmodischer Schnitttechnik." Im weiteren wird der Artikel dann zum Porträt der Regisseurin.
Der Film wurde auf der diesjährigen Berlinale vorgestellt. Anke Sterneborg von der Süddeutschen Zeitung gefiel der Film.
Die FAZ hat sich mit Franka Potente unterhalten.
Was läuft wo?
Welcher Film, welche Stadt, welches Kino, welche Uhrzeit - finden Sie's raus mit dem
Cinema-Kinotimer



























