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Aktualisiert am 12.12.2006

Filmkritik:

Lenz

Lenz

D/Ch 2006 R: Thomas Imbach D: Milan Peschel, Barbara Maurer, Noah Gsell, Barbara Heynen 96 Min. Filmwebsite
Der Filmemacher Lenz verlässt seine Heimatstadt Berlin, um in den Vogesen die Hintergründe von Georg Büchners Novelle "Lenz" zu erfor­schen, reist dann jedoch in die Schweizer Alpen. Dort trifft er mit seinem neunjährigen Sohn Noah und seiner Ex-Frau Natalie zusammen, die er immer noch liebt. Die familiäre Idylle ist nicht von langer Dauer, denn Lenz' Verhalten driftet zunehmend in abseitige Gefilde ab. Noah und Natalie lassen Lenz allein im Gebirge zurück.

Claudia Lenssen (taz) meint, Thomas Imbach habe sich von Büchners Novelle "inspirieren" lassen, doch "Pathos-Sätze, überhaupt jede philosophische Reflexion, sind daraus getilgt". Der Film "greift den Appell an Unmittelbarkeit und Authentizität auf", nur werde "jenseits von jeder Hoffnung auf Transzendenz daraus nicht mehr als ein voyeuristischer Einblick in die Schwerstarbeit des Psychodramas". Die Bilder besäßen "nicht mehr Dichte, als man an einem Tag an Begegnungen mit Borderlinern im normalen Großstadtbetrieb mitbekommt".

Birgit Preissler von der Welt gefiel der Film besser. Sie schreibt: "Wäre die Leinwand eine Bühne, könnte man dieses teilweise Wörtlichnehmen großes Regietheater nennen. Da es sich um Kino handelt, kann man immerhin festhalten, dass Lenz so, anders als bei Büchner, auch zum komischen Charakter wird". Weiter heißt es: "Melancholischer, abgründiger und witziger als Peschel mit dramatischer Stirnfalte und mörderischem Kinski-Blick kann man diesen an den Bergen irre werdenden Fremden nicht spielen".

Auch Katja Nicodemus von der Zeit ist vom Hauptdarsteller angetan: "Der großartige Milan Peschel spielt Lenz mit der Unruhe des Verzweifelten". Auch die Kameraarbeit gefiel der Kritikerin; in einigen Szenen stelle sich "jene irritierende Intimität und Unmittelbarkeit ein, die zu den seltenen Glücksfällen digitaler Kamera-Arbeit gehört. In der Landschaft wiederum wechselt Imbach zu tableauhaften Einstellungen und gelangt damit zu jener 'mächtigen Ruhe', die bei Büchner teils beruhigend, teils bodenlos bedrohlich wirkt".

Claudia Herzog (Filmdienst) hält Lenz für einen "eitlen Film", der zugleich aber auch "Mut" beweise – "und eine eigene Identität. Der Autorenfilmer par excellence realisierte bereits frühere Werke wie Well Done oder Happiness is a Warm Gun mit größtmöglicher künstlerischer Freiheit; Lenz geht noch einen Schritt weiter, ist ein bestechendes Puzzle aus Film und Video, Laien- und Schauspielerspiel, dokumentarischen und fiktionalen Sequenzen." Die Darstellungskunst des Protagonisten hat sie offenbar gestresst: "Peschels Spiel ist etwa so erholsam wie stundenlanges Anstehen vor dem Skilift, und hin und wieder wünscht man sich sehnsüchtig den Bernhardiner mit einem Fässchen Schnaps herbei."

Kai Müller vom Tagesspiegel porträtiert Milan Peschel.

Lenz wurde im Forum der Berlinale 2006 gezeigt; Bodo Mrozek (Tagesspiegel) schrieb damals: "Mit der Videokamera improvisiert Thomas Imbach (...) das Psychogramm eines an sich selbst leidenden Künstlers. Motive bleiben dabei nebulös, Improvisation ist dieser flüchtigen, aber eindringlichen Beziehungsskizze wichtiger als das Drehbuch. Wie zufällig werden Passanten in den Film einbezogen, ein paar oberflächliche Film-Insider-Witze (Dogma!) dürfen nicht fehlen. Der Lenz von heute nervt als Egomane, der sich vor Verantwortung drückt. Und so lebt er fort."
Die taz traf den Schauspieler Milan Peschel.

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