Filmkritik:
The Cooler - Alles auf Liebe
USA 2003 R: Wayne Kramer Dr: William H. Macy, Alec Baldwin, Maria Bello, Shawn Hatosy, Ron Linvingston, Paul Sorvino, Estella Warren Filmwebsite
Bernie ist so ein Pechvogel, dass sein Job darin besteht, Leuten mit einer Glücksträhne im Casino Pech zu bringen. Als das Unglück des Mannes durch eine Liebe endet, ist dafür sein Job in Gefahr. So weit so gut, fand Holger Römers vom Filmdienst. Bis zu etwa diesem Punkt in der Geschichte mochte er den "einschmeichelnd dahinplätschernden Film" auch wegen der Idealbesetzung von William H. Macy ( Fargo). Doch leider werde der Geschichte auch noch ein "elegisch- düsterer Mafiosi-Subplot" beigemengt, der Römers nicht überzeugen konnte. "Kameraarbeit und Montage" ließen "formale Konsequenz vermissen", und einen "überzeugenden Erzählton" finde der Film gegen Ende auch nicht mehr.
Peter E. Müller von der Welt hat keine solchen Einwände. Er lobt den "wunderbar dunklen und auf eine raue Weise positiven" in höchsten Tönen, denn es sei "einer dieser Filme, in denen die Menschen noch Narben haben und Falten. Er ist deprimierend, illusionslos, scheut sich nicht vor krasser Gewalttätigkeit." Außerdem verspricht er uns "eine der schönsten Liebesszenen des zeitgenössischen Kinos".
Auch Philip Bühler ( taz) schwärmt von diesen Liebesszenen. Aber nicht nur das: "Clever ausgedacht und rechtschaffen epigonal atmet der Film die widerborstige Eleganz eines totgeglaubten Independent-Kinos.(...) Als hätten sich die Coen-Brüder entschlossen, einmal ausnahmsweise nicht völlig durchzudrehen, und zu diesem Zweck beim Drehbuchpapst David Mamet ( Haus der Spiele, Wag the Dog) Rat gesucht." William H. Macy sei natürlich eine Idealbesetzung, aber die "eigentliche Überraschung ist Alec Baldwin."
Martin Schwickert ( Tagesspiegel) hat doch auch ein paar "Anfängerfehler" entdeckt: " Die Story hat ein paar Wendungen zu viel, ohne dass substanziell Neues passiert und originelle Einfälle werden oft arg dick unterstrichen." Davon abgesehen hat ihm der Film sehr gut gefallen. Nicht nur, dass der Film seine Geschichte über Liebe und Geld "ganz ohne Pathos" und Rührseligkeit erzähle, Kramer lasse seinen Schauspielern auch Raum: "Die Figuren in können frei atmen und werden nicht zu willenlosen Subunternehmern der Plot-Ingenieure."
Christina Heinen ( Frankfurter Rundschau) hat ein hübsches Zitat von William H. Macy gefunden: "30 Jahre habe er darauf gewartet und sich in Form gehalten, nur für den Fall, vielleicht doch irgendwann eine Sexszene spielen zu dürfen". Auch ihr hat der Film hervorragend gefallen. Er sei ein "Glücksfall" und "wunderbar stylish, aber wie in Quentin Tarantinos True Romance und David Lynchs Wild at Heart ist Stil kein Selbstzweck, sondern die einzige verbliebene Möglichkeit, in einer ironisch gebrochenen Form doch noch von Gefühlen zu erzählen".
Michael Althen ( FAZ) hatte die Hoffnung auf stimmige Liebesszenen mit normalen Menschen in einem amerikanischen Film schon fast aufgegeben, dann kam Macy: "Hier sieht man in William H.Macy und Maria Bello zwei erwachsene Menschen beim Sex, ungelenk und unvollkommen und gerade dadurch erotisch und ergreifend." Ob Alec Baldwin wirklich so toll spiele, da ist sich Althen nicht so sicher, aber die Rolle des Shelly sei klasse: "Denn Shelly glaubt noch ans alte Vegas, das von harten Burschen und leichten Mädchen, von Alkoholdunst und Zigarettenrauch lebte. (...) Und so schwankt man stets zwischen Sympathie für sein romantisches Ideal und Abscheu für die brutalen Methoden, mit denen er es zu verteidigen sucht."
Sehr gut gefallen hat Oliver Hüttmann ( Spiegel) The Cooler, der "vor allem mit seinem grandiosen Drehbuch und seinem exzellenten Ensemble" gewinne. Auch er lobt die "ebenso hingebungsvollen wie humorvollen Liebesszenen", die "in der Freizügigkeit eine wahrhaftige Wärme" erzeugten.
Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Englisch
• Bildformat: 16:9, 2.35:1
• Dolby, Special Edition, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 98 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 18. November 2004
• Produktion: 2003
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